Zum Bericht „Jeder einzelne Austritt schmerzt“ (Bayernteil):
Zum Wesen einer Religion gehört es essentiell, dass sich die Mitglieder der Religionsgemeinschaft zugehörig fühlen und dies auch zu erkennen geben. In der unsere Kultur prägenden christlichen Religion etwa durch Gespräche, Kindererziehung, Kirchenbesuche, Mitwirkung in sozialen Gruppen wie Kinder- und Seniorenhilfe. Unsere Gemeinschaft ist eine Kraftquelle, nicht nur entsprechend der Mitgliederzahl, sondern auch und gerade durch die Ausstrahlung auf Außenstehende, nämlich als eine durch freie Entscheidung gebildete Einheit mit einer durch Überzeugung getragenen Innen- und Außenwirkung. Der viel gehörte Satz von Ausgetretenen „Ich glaube schon an Gott, aber ich gehe lieber allein in die leere Kirche zum Beten“ lässt diese Gesichtspunkte wohl außer Kraft. Zu einem zivilisierten Staat gehört als Grundwert auch eine von möglichst vielen Bürgern getragene Religionsgemeinschaft. Das Recht zur Mitgliedschaft sollte jeder Bürger zugleich als Verpflichtung sehen, ähnlich wie bei politischen Wahlen. Die Religion ist nicht schuld an den Kirchenaustritten, aber – wie im Text angedeutet – die Kirche selbst.
Dori Waltz
Oberaudorf