Strittige Nebentätigkeiten

von Redaktion

Zum Bericht „Abgeordnete verdienen Millionen nebenbei“ (Politikteil):

Ich habe meinen Arbeitgeber einmal gefragt, ob er etwas gegen eine Nebentätigkeit hätte. Die Antwort war klar und nachvollziehbar: Er bezahlt mir ein gutes Gehalt und möchte, dass ich dafür meine ganze Arbeitskraft dem Unternehmen zur Verfügung stelle. Abgeordnete begründen ihre hohen Diäten oft damit, dass sie ja auch mehr als die üblichen 40 Stunden pro Woche arbeiten müssen und auch am Wochenende. Nun – das hat für mich als außertariflich Bezahlten auch gegolten. Außerdem klagen Abgeordnete ständig über zu viel Arbeit, womit sie begründen, mehr Beamte einstellen oder für horrendes Geld Beratungsunternehmen engagieren zu müssen. Irgendwie sehe ich hier einen Widerspruch – oder stehe ich mit meiner Meinung etwa alleine da? Dass Abgeordnete auch noch für Unternehmen arbeiten oder in Unternehmen wechseln, bei denen sie in einen Interessenskonflikt kommen, wird in Deutschland seit Jahrzehnten trotz gegenteiliger Beteuerung unserer Regierenden großzügig geduldet. Wer möchte nicht nach seiner doch so unterbezahlten Abgeordnetentätigkeit in einen gut bezahlten Vorstandsjob wechseln? Hierzulande nennt man das Lobbyismus, bei anderen Ländern spricht man von Korruption.

Michael Schuldes

Feldkirchen-Westerham

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