Verdrossenheit über Parteipolitik

von Redaktion

Zum Artikel „Wählen reicht nicht“ im Bayernteil und zum Leserbrief „Eigentlich regiert die Wirtschaft“:

Ich nehme weder in meiner Generation (50+) noch in den jüngeren Generationen eine Politikverdrossenheit wahr. Ich nehme wahr, dass es viele Menschen gibt, die sich in unterschiedlichster Weise engagieren und damit Einfluss nehmen auf die Gesellschaft. Über die Entscheidung, wie und wo sich Menschen engagieren, machen sie aktiv Politik, so wie Kardinal Marx dies mit Recht einfordert. Sehr wohl nehme ich aber eine Parteienverdrossenheit wahr – und bei den Wahlen geht es ja um nichts anderes als die Entscheidung für eine Partei oder deren politische Vertreter. Auch mir fällt es zunehmend schwerer, meine Kreuzchen hinter eine Partei oder einen Politiker zu setzen. Zum einen fühle ich mich durch keine Partei mehr so stark vertreten, dass ich sie mit einigen Abstrichen guten Gewissens wählen kann, zum anderen gebe ich dem Leserbrief recht, dass nicht die Politik, sondern die Wirtschaft regiert: Solange Politiker im Aufsichtsrat oder Vorstand großer Konzerne sitzen, ist eine dem Wähler und Bürger verpflichtete Entscheidungsfreiheit nicht möglich. Ich glaube, dass viele Menschen sich durch die zur Wahl stehenden Politiker nicht mehr vertreten fühlen und sich lieber in Organisationen und Vereinen engagieren, die ihrer Meinung nach wirklich etwas bewegen. Im Moment ist es doch manchmal so, dass die Politik dem gesellschaftlichen und politischen Engagement mancher Menschen so viele Steine in den Weg legt, dass die meiste Energie beim Steine wegräumen verloren geht. Aber vielleicht werden aus diesen Steinen irgendwann Wege gebaut, die dann auch Politiker nutzen können, um zu uns Menschen zu gelangen. Die Wortbedeutung von „Politik“ ist in Nachschlagewerken ausdrücklich nicht auf die Tätigkeit von Parteien beschränkt!

Ursula Götzinger

Schnaitsee

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