Zur Berichterstattung über die Lkw-Blockabfertigung der Tiroler Behörden (Titelseite, Regionalteil):
Es gehört schon sehr viel Mut dazu, den Tiroler Behörden Alleingänge vorzuwerfen, wenn diese Lkw-Blockabfertigungen durchführen lassen, wodurch es zu Verzögerungen beim Grenzverkehr kommt. Wie es andersrum geht, zeigen Verkehrsmeldungen am 2. November um 7 Uhr im Bayerischen Rundfunk: „Wegen der österreichischen Lkw-Blockabfertigung bildet sich ab der BAB-Anschlussstelle Oberaudorf ein Lkw-Stau“ – gleichzeitig: „Bei der Einreise nach Deutschland müssen Sie an den Übergängen Kufstein und Salzburg mit rund 30 Minuten Verzögerung rechnen“. Führt vielleicht auch Bayern (heimlich) Blockabfertigungen durch? Also zuerst die nicht notwendigen Behinderungen des Verkehrs vor der eigenen Türe beseitigen, und dann mit den Fingern auf andere zeigen.
Alexander Hirczy
Neubeuern
Ich kann die Aufregung der Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig nicht verstehen. Es sind die Österreicher, die Grund haben, sich über die Blockade Deutschlands aufzuregen, da Deutschland die Anbindung an den Brenner-Basis-Tunnel immer weiter verzögert. Unsere Abgeordneten reden zwar dauernd davon, den Güterverkehr auf die Schiene verlegen zu wollen, aber in die Tat umsetzen tun sie es nicht. Deutschland wird bei unseren europäischen Nachbarn als das Hauptproblem für den Ausbau des europäischen Schienennetzes angesehen. Alle Nachbarstaaten beschweren sich über die jahrelangen Verzögerungen der Bauarbeiten auf deutscher Seite. Im Fall einer modernisierten Strecke in Belgien, die zur deutschen Grenze führt, beträgt die Verzögerung bereits 22 Jahre, ohne dass bisher erkennbar wäre, wann Deutschland endlich etwas tun wird, um die Strecke fertigzustellen. Die Störung bei Rastatt traf den Bahnfrachtverkehr von und zur Schweiz besonders hart, weil auch die zweite Verbindung von München nach Lindau am Bodensee noch nicht modernisiert ist und der deutsche Streckenabschnitt nur mit Diesellokomotiven befahren werden kann. Auch diese Strecke wird frühestens 2020 fertiggestellt sein. Wenn man sieht, dass in Österreich pro Kopf dreimal soviel in den Bahnfrachtverkehr investiert wird wie in Deutschland, in der Schweiz sogar fünfmal soviel, dann fragt man sich nicht mehr, warum unsere Autobahnen voll mit Lkw sind. Viele Bahnstrecken wie auch die Strecke von Rosenheim nach Mühldorf ist nicht einmal elektrifiziert. Ein gutes Beispiel wie man der Bahn auch in Deutschland wieder ein besseres Image geben könnte, ist die Bürgerinitiative im Mittelrheintal. Sie fordert, den Güterverkehr unter die Erde mit einer Tunnellänge von etwa 110 Kilometer zu verlagern.
Gerald Strickner
Kolbermoor
Innenminister Herrmann beschwert sich über die Blockabfertigung in Tirol, weil sie das Lkw-Gewerbe behindert. Aber was haben er und die CSU für die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene getan? Seit acht Jahren stellt diese Partei den Bundesverkehrsminister, und stets wurde der Lkw-Verkehr gefördert: Die Maut wurde gesenkt, der Gigaliner gegen vielfältige Widerstände durchgedrückt und die Bahn muss für ihren Energieverbrauch Steuer bezahlen. Eine wirksame Kontrolle der Lkw auf den Autobahnen gibt es nicht. Dafür, dass die Kontrollen – auch aufgrund der Zuständigkeit verschiedener Bundes- und Landesbehörden – nur spärlich erfolgen, trägt der bayerische Innenminister Mitverantwortung. Umso eifriger bemüht sich sein Ministerium um die Anlage neuer Lkw-Rastplätze an den Autobahnen. Jeder, der sich mit Verkehrspolitik befasst, weiß (auch in der CSU), dass eine nennenswerte Verlagerung auf die Schiene nur erreicht werden kann, wenn der Lkw-Verkehr deutlich stärker belastet wird – entweder durch eine Maut, die diesen Namen verdient, oder durch Verkehrsbeschränkungen. Ohne derartige Maßnahmen wird sich an der Verteilung der Güterströme zwischen Schiene und Straße (auf der Brennerroute derzeit 28 zu 72 Prozent) nichts ändern. Auch die Halbierung der Trassengebühren durch die Bahn wird dieses Verhältnis nicht wesentlich verschieben. Das Lkw-Gewerbe wird auch die dadurch niedrigeren Preise des Schienenverkehrs unterlaufen. Man darf froh sein, dass die Österreicher (ob nach EU-Recht erlaubt oder nicht) die Zügel angezogen haben.
Günther Polz
Feldkirchen-Westerham
Schlimmer geht‘s immer, und so sollte man bei der gegenwärtigen Aufregung über die Blockabfertigung auch mal daran denken, welche enorme zusätzliche Verkehrsbelastung nach der Fertigstellung der eifrig vorangetriebenen Autobahn „B15 neu“ auf das Inntal zukommen wird, sei es nun durch fahrende oder stehende Lkw. Solange sich bei uns die Verkehrspolitik nicht ändert, wird es jedenfalls auf Dauer wenig bringen, von den Tirolern die Hinnahme des monströsen Lkw-Verkehrs zu verlangen und dabei die bayerische Leidensfähigkeit als Vorbild zu empfehlen.
Armin Grundke
Rott
Im September bin ich mit dem Rad auf dem Weg über den Brenner nach Italien an einem „wunderschön“ unter der Brenner-Autobahnbrücke stehenden Häuschen mit Verkaufsschild vorbeigekommen. Dieses mit einem fast schon ununterbrochenen Dauer-Kazong-Kazong von der Brücke beschallte Grundstück, mit „herrlicher“ Aussicht nach oben und der „guten Luft“ müsste sich doch schon lange im Besitz eines Autobahn- und Noch- mehr-Verkehr-Befürworter-Politikers wie Verkehrsminister Herrmann befinden. Oder, Herr Knoblauch, wäre das Haus nicht als „Vereinshütte“ des Pro-A94-Vereins, Sektion Mühldorf, eine tolle Sache?
Johannes Niedermeier
Niedertaufkirchen