Zum Bericht „Gelbe Säcke nur gegen Coupons“ (Lokalteil):
Die Firma Wurzer hat den Auftrag, ab Januar 2018 die Gelben Säcke im Landkreis Mühldorf einzusammeln erhalten und war wahrscheinlich mit dem Angebot für den Auftraggeber wirtschaftlich günstiger als die Firma Veolia als derzeitiger Unternehmer. Die Gelben Säcke werden mit Coupons verteilt, weil der Landkreisbürger das System scheinbar nicht versteht. Gelbe Säcke für Firmen werden nicht berücksichtigt, da eventuell davon ausgegangen wird, dass die Mitarbeiter jeden Tag die Brotzeit mit Mehrwegbehältern zur Arbeit mitnehmen und nicht kleine abgepackte Mengen an Lebensmitteln mit dem berühmten „Grünen Punkt“. Man hat sich zum Ziel gesetzt, die abzuholenden Mengen zu reduzieren, damit man mit dem Auftrag auch Gewinne erzielt. Da der Verbraucher die Entsorgung durch den Kauf eines Produktes, dessen Verpackung einen „Grünen Punkt“ aufweist, mitfinanziert, sollte auch eine ausreichende Anzahl an Gelben Säcken in den Läden vorgehalten werden, ohne aufwendig einen neuen Coupon beantragen zu müssen. Eine andere Möglichkeit wäre, Produkte mit den entsprechenden Verpackungen nicht mehr zu kaufen. Dann erledigt sich langfristig das Thema von selber.
Josef Buchner
Ampfing
Ab Januar übernimmt die Wurzer Logistik im Landkreis Mühldorf das Gelbe-Sack-Geschäft und führt sich gleich mit bemerkenswerten Neuerungen im Basta-Stil ein. So bekommt jeder Bürger pro Jahr zwölf Säcke und das muss reichen. Wer mehr will, muss über das Internet welche anfordern. Ob man eine ausführliche und schriftliche Begründung mitliefern muss, ist nicht bekannt. Außerdem scheint die Geschäftsführung der Firma Wurzer Logistik nicht zu wissen, dass es noch Menschen ohne Internet gibt. Was ist mit denen? Als Begründung für die rigorose Maßnahme wird angegeben, die Pro-Kopf-Menge im Landkreis Mühldorf liege weit über dem Bundesdurchschnitt und sei statistisch gesehen doppelt so hoch und da müsse etwas geschehen. Wurzer Logistik interpretiert die Statistik so, dass die Bürger des Landkreises Mühldorf über den Gelben Sack 50 Prozent Restmüll entsorgen. Wo sind Beweise für die gewagte Behauptung? Bevor man solche Unterstellungen äußert, hätte Wurzer Logistik vielleicht den bisherigen Entsorger nach dessen Erfahrungen fragen sollen. In Zukunft muss man also angesichts der strengen Rationierung den Sack maximal nutzen und da beginnt das Problem mit der Qualität der Säcke. Bei der jetzigen Folienstärke ist die Reißfestigkeit der Folie so gering, dass sie bei der geringsten Beanspruchung reißt. Dieses Problem wird noch dadurch verschärft, weil die Säcke künftig noch voller sein werden. Hier ist die Firma Wurzer Logistik gefordert, für stabilere Säcke zu sorgen, die man problemlos befüllen kann. Erst dann kann man den Bürgern die angekündigten Einschränkungen zumuten.
Wolfgang Gross
Waldkraiburg
„Die Mühldorfer sind zum Mülltrennen entweder zu dumm, zu faul oder missbrauchen das System“: Zu diesem Ergebnis kommt ein ausnehmend schlichter Geist unter Nutzung einer Grundrechenart und zweier Parameter (Anzahl Personen und Gelbmüllaufkommen). Und unsere Stadtverwaltung schließt sich offensichtlich dieser Sichtweise an und lässt die mit der Gelbe-Sack-Rationierung geübte Volkserziehungsmaßnahme zu. Wäre es nicht die Ärgernisvermeidung wert gewesen, einen verständigen Menschen prüfen zu lassen, welch andere Gründe zum überdurchschnittlichen Gelbmüllaufkommen beitragen könnten? Zum Beispiel, dass Landbewohner häufig Wocheneinkäufe tätigen, bei denen verpackte Lebensmittel vorherrschen. Oder dass von den 75 Prozent der Bevölkerung, die in Städten lebt, viele in Single-Haushalten leben und wenig kochen, im Gegensatz zu Familien in Dörfern und Kleinstädten. Wer um Himmels willen ist zu dem Schluss gekommen, dass die Einsparung der Cent-Artikel „Gelbe Säcke“ die Verärgerung der Bevölkerung wert wäre? Und hat niemand bedacht, dass derartige, aus nichtigem Anlass geborene Schikanen das Vertrauen in das sinnhafte Handeln behördlich oder in behördlichem Auftrag Handelnder untergraben könnten?
Dr. Karl Wieland Naumann
Mühldorf