Zum Bericht „Kardinal Marx würdigt Fritz Gerlich“ (Bayernteil):
Zumindest Kardinal Marx würdigt Dr. Fritz Gerlich als einen vorbildlichen Journalisten. Der Verleger Gerlich erwarb 1930 den Zeitungsverlag „Illustrierter Sonntag“, den er dann zu seinem berühmt gewordenen „Geraden Weg“ umformte. 1931 und 1932 beschwor er geradezu in glühendem Feuereifer und mit allen Künsten eines routinierten Journalisten das deutsche Volk, die Gefahr zu erkennen, in die es durch Hitler getrieben werde, und sich um des Himmels willen von ihm abzuwenden. Er schrieb Nationalsozialismus bedeutet Feindschaft mit den benachbarten Nationen, Gewaltherrschaft im Inneren und Völkerkrieg. Eindrucksvoll ist das Buch „Prophetien wider das Dritte Reich“, wo Dr. Steiner, der ehemalige Verlagsdirektor des „Geraden Weg“, Dr. Gerlichs kritische Veröffentlichungen, Vorstellungen bei Hitler und letztlich aber auch die Vergeblichkeit des Wortes gegenüber der Virulenz der satanischen Kräfte schildert. Dr. Gerlich, der sich selbst als der „Hausknecht Gottes“ nannte, hätte vielfach die Möglichkeit einer Flucht ins Ausland gehabt. Er sah bewusst seiner Verhaftung am 11. März 1933 in seinen Redaktionsräumen entgegen. Schon Monate zuvor drängte er seine Mitarbeiter, selbst zu kündigen, damit diese nicht ebenso verhaftet werden. Gerlich wurde auf grausame Weise in der Polizeistation München/Ettstraße gefoltert, bevor er am 30. Juni 1934 im KZ Dachau erschossen wurde. Mein Vater war ein enger Freund von Dr. Gerlich und hat immer wieder versucht – selbst im Fronteinsatz – ihn vor dem Tod zu bewahren. Dazu liegen mir viele Dokumente vor. Dr. Gerlichs Lebensbiografie endete grausam. Sie ist jedoch nicht Vergangenheit, sie spricht zur Gegenwart und baut Zukunft. Es wäre schön und auch angebracht, wenn die Mediengesellschaft auch Dr. Fritz Gerlich Aufmerksamtkeit schenken würde und nicht nur dem Attentäter Graf Stauffenberg.
Max Prugger
Kolbermoor