Zum Bericht „Tiefe Risse in der KFD“ (Regionalteil):
Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte. Auf der einen Seite sehe ich das Engagement des etablierten Verbandes, der die Kosten für Räumlichkeiten, Personal, Referentinnen, Infomaterial, Seminare, Bildungsangebote, Aktionen, Werbung und Versicherungen trägt, sich aber nicht immer in die Lage der engagierten Basis hineinversetzen kann. Diese ringt um neue junge Mitglieder. Großer Arbeitseinsatz und Organisationstalent werden den jeweiligen Vorstandschaften dabei abverlangt. Und hier liegt das Dilemma. Gerade die älteren Mitglieder sind meiner Erfahrung nach nicht dazu bereit, die Angebote des Diözesanvorstandes zu nutzen. Sie fahren nicht nach München zu einer Veranstaltung, da kann eine Vorsitzende noch so viele Informationen weitergeben. Die meisten haben auch schlichtweg kein Interesse an Frauenpolitik und Frauentheologie. Für sie ist ein gutes Eingebundensein am Ort wichtig. Unverständnis über den „hohen“ Beitrag wird gezeigt, wenn sie ausschließlich zu „Kuchenbäckern“ degradiert werden. Dies ist nicht diskriminierend gemeint, sondern Realität. Gleichwohl obliegt es den jüngeren Frauen, Interesse zu zeigen für die oben genannten Themen. Es soll ihnen bewusst sein, wie großartig sie von dieser deutschlandweiten Gemeinschaft vertreten werden. Andererseits haben die „Abtrünnigen“ sicher nicht leichtfertig die Veränderung herbeigeführt. Neues zu wagen erfordert Mut und Vertrauen. Ich denke, dass wir beides benötigen: Beständigkeit und Wandlungsfähigkeit. Ein Beispiel wäre die überfällige Bezeichnung „christlich“ statt das zwar „allumfassende“, aber gedanklich einengende „katholisch“! Als Nachbar-Dekanatsleiterin kenne ich beide Seiten der Medaille. Keiner Seite unterstelle ich, dass sie eigennützig agiert. Jeder von uns ist aufgerufen, Altes zu hinterfragen und sich neuen Gedanken nicht gänzlich zu entziehen. Der Geist Gottes weht, wo er will und uns allen möge diese Kraft zuströmen.
Irmengard Mayer
Dekanatsleiterin, Wasserburg