Zum Bericht „Angetrunkene Lehrerin packt Kinder am Hals“ (Bayernteil):
Typisch für unsere Zeit: Der Lehrerin droht ein Disziplinarverfahren, die Suspendierung vom Schuldienst und Ermittlungen der Polizei. Die zumindest Mitschuldigen, die Eltern und Kinder, werden von Regierung, Polizei und leider auch von den Medien geschont. Auch die Rektorin stellt sich ein Armutszeugnis aus, indem sie die Kollegin schlechtredet ohne vorher die ganze Situation nach allen Seiten abzuklären. Den Vorwurf muss ich auch den Medien machen. Jeder weiß, wie schnell man nach ein oder zwei Glühwein alkoholisiert sein kann, wenn man zu wenig gegessen hat oder Alkohol nicht verträgt. Die Lehrerin als aggressive Alkoholikerin, die Kinder misshandelt hat, hinzustellen, ist unfair und Rufmord. Allen, die jetzt so massiv auf die Lehrerin losgehen, sollte man ein paar Tage Praktikum an einer Grund- und Hauptschule gönnen. Sind nicht auch die Eltern verantwortungslos, die ihre acht- und neunjährigen Buben allein nach 20 Uhr in der Schule herumtoben lassen? Was unternehmen Behörden und Polizei gegen solche Eltern?
Anton Gasteiger
Traunstein
Reißerische, rufschädigende Überschrift, total einseitige Berichterstattung: Mit neutraler Berichterstattung hat das nichts zu tun. Bevor man so einseitig die Lehrerin schlechtmacht, muss man doch kritisch fragen, wie es sein kann, dass sich ein Acht- und zwei Neunjährige noch um 20 Uhr auf einem Adventsmarkt ohne Begleitung ihrer Eltern herumtrieben. Nennt man so etwas nicht Verletzung der Aufsichtspflicht? Wäre es nicht Aufgabe der Eltern gewesen, ihre Kinder rechtzeitig abzuholen? Von einem neutralen Bericht hätte ich erwartet, dass auch die Lehrerin die Möglichkeit hat, den Hergang zu schildern, dass man zumindest die Verantwortung der Eltern erwähnt und die Knaben nicht als „Unschuldslämmer“ darstellt. Während die Lehrerin mit gravierenden Folgen rechnen muss, können sich die Buben als stille Helden fühlen.
Anton Heise
Unterwössen