Zum Bericht „Geschichten und Geschichte der Eisenbahn“ (Kultur in der Region):
Die Besprechung des Buches von Karl Bürger über die Geschichte der Eisenbahnstrecke München-Mühldorf-Simbach hat mich berührt. Auch ich würde es als großen Verlust empfinden, wenn auf dieser Strecke nur noch eine Museumsbahn verkehren würde. Aber es könnte ja auch ganz anders kommen: Zum Beispiel so: Im Münchner Hofbräuhaus sitzt immer noch der Engel Aloisius. Doch dann wird im Zuge einer Privatisierungswelle der staatliche Hofbräu an eine Großbrauerei verkauft. Dem Aloisius schmeckt sein Bier nicht mehr so richtig. Er steht auf, und dann fällt ihm sein Auftrag wieder ein. Und so kommt plötzlich die Erleuchtung über die bayerische Regierung. Langsam dämmert’s allen: Wir haben ein Problem mit zu viel Kohlendioxid in der Luft, mit zubetonierten Wäldern und Feldern, mit zu vielen und zu großen Autos. Und die Eisenbahn hätten wir fast vergessen. Dabei wäre sie doch das beste Elektrofahrzeug für lange Strecken: Ein Waggon, ein Triebwagen, oder eine Lokomotive hat bei richtiger Wartung nach 60 Jahren noch seine volle Transportkapazität, während ein Auto nach 30 Jahren schon Oldtimerstatus hat. Und für eine zweigleisige Bahnstrecke geht viel weniger Fläche, Beton und Geld drauf als für eine Autobahn. Und sie hält auch viel länger. Das gleiche gilt auch für Brücken. Und falls die Erleuchtung der Staatsregierung noch ein paar Jahrzehnte vorhalten sollte, dann könnte es sein, dass auf der Bahnstrecke im Isental bei Dorfen einmal ein Aussichtswagen fährt und es kommt eine Durchsage: „Auf der Hügelkette im Süden können Sie die Ruine der ehemalige Goldachtal-Autobahnbrücke erblicken. Diese Brücke sollte erhalten bleiben als Mahnmal für die Bauwut unserer Gesellschaft zu Beginn dieses Jahrtausends. Die Autobahn A94 verläuft heute auf der Trasse der ehemaligen Bundesstraße B12.“
Ernst Hörmann
Mettenheim