Zum Bericht „Auto ist aktuell noch Nummer eins“ (Regionalteil):
Ich finde es begrüßenswert, dass sich jetzt auch der ADAC mit der Frage nach Alternativen zum Auto auseinandersetzt. Seltsam mutet es mich aber an, dass er diese Fragestellung auf „für Menschen ab 55“ einschränkt. Nicht nur ältere Menschen brauchen einen attraktiven ÖPNV, den es im Landkreis momentan leider nur rudimentär gibt. Viele Familien könnten beispielsweise auf den Zweitwagen verzichten, und so zur Entlastung der Straßen beitragen. Auch sollte man bedenken, dass der ÖPNV als Dienstleister Arbeitsplätze direkt vor unserer Haustür schafft. Die Kommentare seitens der Stadt Rosenheim, hier Zweiter Bürgermeister Heindl, haben mich erschüttert. Er sieht die Stadt bezüglich Mobilitätsangeboten gut aufgestellt, und verweist auf Busbahnhof und Parkhaus für Pendler. Allein an derartigen Äußerungen lässt sich erkennen, dass in der Stadt jegliches Verständnis für ÖPNV-Konzepte fehlt. Ziel muss es doch sein, die Pendler mit Zubringerbussen pünktlich zum Bahnhof zu bringen und dort abzuholen, oder, noch besser, diese mit zusätzlichen Haltepunkten der Bahn in der Region einzusammeln. Ein Haltepunkt in Stephanskirchen wäre erste Wahl, die Reaktivierung der Strecke nach Thansau und Rohrdorf wäre ebenfalls eine Möglichkeit, um Menschen ohne Auto und Stau direkt in die Stadt zu bringen. Wer wie der Bürgermeister denkt, darf sich nicht wundern, wenn trotz Westtangente Rosenheim von Autos überflutet wird. Ein Busbahnhof ist sicher wichtig, aber nutzlos, sofern nicht parallel an Konzepten gearbeitet wird, wie man den ÖPNV in Stadt und Landkreis besser organisieren kann. Schlimmer noch: Landkreis und Stadt Rosenheim haben das bislang nicht als Gestaltungsaufgabe der öffentlichen Hand angesehen, sondern überlassen das dem freien Spiel der Kräfte. Das Ergebnis dieser Politik können wir tagtäglich betrachten. 2018 muss das besser werden.
Dr. Willi Messing
RoRegio, Bad Aibling