Zur deutschen Russland-Politik (Politikteil):
Als Mitte der 80er-Jahre unter Staatspräsident Gorbatschow mit Glasnost und Perestroika eine friedliche Zeitepoche über ganz Europa gekommen schien, waren die Menschen auf ein friedliches Zusammenleben eingestellt. Mit der Auflösung des Warschauer Paktes war für den Osten eine neue Freiheit gekommen mit enormen wirtschaftlichen Problemen bis zum Zusammenbruch aller Strukturen und staatlicher Ordnung. Im Gegenzug waren unsere Lenker in Wirtschaft und Politik nicht an einer fairen und gleichberechtigten Zusammenarbeit interessiert. Im Gegenteil: ein Heer von Geiern, Spekulanten und Turbokapitalisten machte fette Beute in ganz Osteuropa. Mit Boris Jelzin wurde der Untergang der Sowjetunion besiegelt. Als Anfang 2008 ein Wladimir Putin russischer Staatschef wurde, wurde der Untergang des Riesenreichs gestoppt, ohne dass die westlichen Regierungen, insbesondere die USA diesen Sachverhalt zu würdigen wussten. Im Gegenteil: Die NATO rückte in allen Staaten Osteuropas vor, beziehungsweise bis an die Grenzen Russlands. Als 2014 das ukrainische Parlament sein Neutralitätsgesetz aufhob und im Gegenzug dafür die Nato-Mitgliedschaft anstrebte, war für Russland die rote Linie überschritten. Ich sehe es als brutalste Brüskierung Russlands an, die Ukraine einschließlich der Krim in die Nato aufzunehmen. Die Krim wurde 1783 endgültig für Russland erobert. Seit dieser Zeit war sie ohne Unterbrechung Standort der Schwarzmeerflotte, auch zu Zeiten der Sowjetunion. Die Wiedereingliederung sehe ich deshalb als akzeptabel an. Die anschließende Volksabstimmung halte ich für glaubwürdig. Wir Deutschen sollten uns aufgrund der leidvollen Geschichte im vergangenen Jahrhundert für eine gute Nachbarschaft einsetzen, statt aufreißerischen Beiträgen wie Boris Reitschusters „Krieg ist Putins Lebenselixier“ zu folgen. Sie sind das Werk von Kriegstreibern und der Entwickler von Feindbildern.
Josef Stein
Frasdorf