Alle arbeiteten am Limit

von Redaktion

Zum Artikel „Immer weniger Krankenhäuser in Deutschland“ (Weltspiegel):

Alle haben recht und das ist auch das Dilemma. Aber: Die Reduzierung der Geburtenstationen ist nicht hinnehmbar. Wir alle müssen der rasanten medizinischen Entwicklung und ihrem Kostensteigerungspotenzial Rechnung tragen. Dass aber private Krankenhäuser zunehmen und wegen der Gewinnmaximierung auch noch die gesetzlichen Krankenversicherung belastet werden (nehme ich stark an), sollten sie auch der entsprechenden Klientel vorbehalten sein.

Andererseits, wenn berufene Unternehmer sich auch den GKV-Patienten öffnen: nächstes Dilemma. Fest steht, das gesamtgesellschaftliche Gesundheitswesen gibt es nicht mehr kostenneutral. Wir alle müssen fair an den Kosten beteiligt werden. Und dort, bei der wachsenden Schicht mit einem Vielfachen des Durchschnittseinkommens, muss man dann auch mit politischen Mitteln an die gesamtgesellschaftliche Verantwortung erinnern. Denn letztlich sind wir voneinander abhängig. Die einen gäbe es ohne die anderen nicht. Es ist, scheint es, zur Zeit wie in der Oldtimerszene, aber diese ist nur ein Wirtschaftsfaktor in sich.

An dieser Stelle sei mir ein Dank ans Klinikum Traunstein erlaubt. Ich musste kürzlich dort verweilen. Patienten in Betten auf Fluren, in Besucherräumen, als ob eine Seuche grassiert. Tags ein Ameisenhaufen, dessen Struktur flexibel allen Problemen zu widerstehen schien. Und alle waren noch den Patienten zugewandt – im Sinne der Berufung zu diesem Beruf. Aber dem emphatischen Patienten entging nicht, dass alle, Ärzte, Schwestern, Pfleger und auch die Azubis, am menschlichen Limit arbeiten. Und dann sind da ja auch noch die Unwirschen, vorsätzlich Meckernden, verständnislose Angehörige, was es zu meistern gilt.

Dieter Winkler

Grassau

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