Mögliche Motive für den Giftgasanschlag

von Redaktion

Zum Bericht „Giftgas-Einsatz auf Doppelagenten“ im Politikteil:

Die Nachricht aus England, dass ein ehemaliger Doppelagent einem Anschlag mit einem seltenen Nervengift zum Opfer gefallen ist, hat natürlich sofort zu Spekulationen geführt, die Russen könnten hinter diesem perfiden Anschlag stecken; prompt kam das Dementi, das sich einreihte in eine Vielzahl von Dementis. Spezialist für Desinformation ist Außenminister Lawrow, der seine Statements, völlig losgelöst von der Wahrheit, der verblüfften Öffentlichkeit darbietet. Tatsächlich scheint hinter all den Vorwürfen und Verdächtigungen in Richtung Putin ein Plan zu stecken – ein Plan des Westens, den Führer der ruhmreichen Nation zu desavouieren? Wer also steckt hinter den Verleumdungen, wenn wir von Staats-Doping informiert werden? Gegen Regierungen gerichtete Cyberangriffe sind wahrscheinlich Science-Fiction und damit hat Putin sicher nichts zu tun. Der Krieg in der Ukraine wird nicht von russischen Söldnern und mit Waffen aus Russland geführt, und die Annexion der Krim ist in Wirklichkeit ein freiwilliger Anschluss. Der brutale Angriffskrieg in Syrien mit Millionen Flüchtlingen und Hunderttausenden Opfern, geführt mit Russlands geballter Militärmacht unter Einsatz von Giftgas und allem nur möglichen Vernichtungsgerät, ist vermutlich Schuld von Obama, der sich nicht entschließen mochte, Krieg zu führen. Es könnte sein, dass Putin gar nichts davon weiß, was da vorgeht. Ist es nicht möglich, dass die Oligarchen und die Familie hinter dem Rücken dieses Gutmenschen die circa 150 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten zusammengerafft haben? Es gibt Leute, die behaupten, dass Wladimir Putin um einiges gefährlicher ist, als das Stalin je war; vielleicht denken die das, weil der Josef geradeheraus ein mörderischer Geselle war, während Wladimir so etwas geheimes, verstecktes hat und immer den guten Landesvater gibt? Eines steht jedenfalls fest – im Dementieren ist der Mann Weltklasse.

Stefan Schultz-Brummer

Samerberg

Bisher liegen für eine Urheberschaft der russischen Regierung am Giftgasanschlag auf den ehemaligen Agenten in London offenbar gewisse Indizien, aber keine schlüssigen Beweise vor. In dieser Situation kann die britische Regierung wohl Vermutungen äußern, sollte sich aber mit eindeutigen Schuldzuweisungen zurückhalten, bis die Untersuchungen abgeschlossen und Beweise gefunden sind. Im Übrigen vermisse ich in den Äußerungen der europäischen Politiker und in den Pressemeldungen Überlegungen dazu, welche Motive Russland haben könnte, diesen seit langem inaktiven Agenten aus der Welt zu schaffen. Und das kurz vor der ohnehin in der Diskussion befindlichen Fußball-WM! Russland kann doch vernünftigerweise kein Interesse daran haben, sein gestörtes Verhältnis zum Westen, das gerade auf dem Wege ist, sich wieder einigermaßen zu normalisieren, auf diese Weise massiv in Gefahr zu bringen! Bei jedem guten Krimi ist die Suche nach den Motiven ein entscheidender Faktor bei der Fahndung. Darüber, wer Interesse an dem Anschlag und vor allem seinen politischen Folgen haben könnte, lässt sich wild spekulieren: Waren es außer Kontrolle geratene russische Geheimdienstleute, die eine alte Rechnung begleichen wollten, oder stecken dahinter gar der CIA und der notorische amerikanische Russenhass? Die unbewiesenen Schuldzuweisungen an Moskau erinnern in fataler Weise an die Beschuldigung der Gülen-Bewegung nach dem Putsch in der Türkei, die immer noch nicht belegt ist. Bedauerlich ist, dass unsere deutsche Regierung nichts Eiligeres zu tun hatte, als die harsche Reaktion der britischen Premierministerin May, die es offenbar nötig hat, Stärke und Entschlossenheit zu demonstrieren, in vorauseilendem Gehorsam zu unterstützen. Anstatt den Konflikt zu schüren, hätte Deutschland Zurückhaltung gut angestanden.

Lothar Schultz-Pernice

Rosenheim

Artikel 7 von 11