Zu „Kriegsgefahr aus Versehen“ (Leserbrief):
Herr Ehlers spricht in seinem Leserbrief von der faktischen Einkreisung Russlands durch die Nato. Das scheint kaum übertrieben, wenn man weiß, dass Russland Außengrenzen von etwa 601000 Kilometern Länge hat. Die Enklave Kaliningrad mitgerechnet(!), grenzen Nato-Staaten im Westen immerhin mit rund 1200 Kilometer an Russland, dazu bedroht das durch die Beringstraße von Sibirien getrennte Alaska auf einer in der Relation sehr überschaubaren Länge die russische Küste im Osten. Die Geografiekenntnisse werden aber noch vom Demokratieverständnis übertroffen, wenn sich Herr Ehlers von der starken, aber seiner Meinung nach richtigen Führung Xi Jinpings in China sehr angetan zeigt. Zur Erinnerung: der Nationale Volkskongress hat die Amtszeitbegrenzung des Präsidenten auf dessen ausdrücklichen Wunsch hin aufgehoben und ihn dann ohne Gegenstimme – es waren nur 2970 Stimmberechtigte – als Präsident und Militärchef praktisch auf Lebenszeit bestätigt. Herr Ehlers beklagt die hysterischen Hetze gegen China und Russland. Es ist ja wirklich unerträglich, was etwa Russland alles vorgeworfen wird: Staatsdoping (diese völlig an den Haaren herbeigezogene Behauptung stützen auch noch Verräter wie die russische Läuferin Stepanowa oder der ehemalige Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors Rodschenkow), Hackerangriffe gegen den Deutschen Bundestag, Beeinflussung von Wahlen im Westen, militärische Aggressionen. Auch mit dem Mordanschlag auf den Überläufer Skripal hat Russland sicher nichts zu tun: dass Putin im russischen Fernsehen äußerte, Verräter würden ins Gras beißen und die Duma vor zwei Jahren ein Gesetz erlassen hat, das die Liquidierung von Überläufern im Ausland ausdrücklich erlaubt, hat ebenso wenig zu bedeuten wie die Tatsache, dass allein in England 14 russische Überläufer in den letzten Jahren auf mysteriöse Weise ums Leben kamen.
Bernward Schmidt
Prutting