Weiße Gewaltexzesse nach der Revolution

von Redaktion

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Ins Zentrum der wiedergegebenen Geschichten aus der Revolutionszeit wird ein Foto der Bürgerwehr Krügling gerückt, das diese nach der Rückkehr aus Kolbermoor zeigt, wo die tapferen Krieger „wohl an den Kämpfen gegen die dort stationierte Rote Armee beteiligt“ waren. Das kann so nicht stimmen, denn in Kolbermoor war weder eine Rote Armee stationiert noch gab es dort Kämpfe. Die Bewohner des Ortes waren in ihrer überwiegenden Mehrheit überzeugte Anhänger der Räterepublik und es hatten sich dort Züge der Spinnereiarbeiter, Tonwerksarbeiter und Männer der Arbeiterwehr formiert, um die Errungenschaften des roten Kolbermoors zu verteidigen. Doch dazu kam es angesichts der Übermacht der Weißen nicht. Ein Teil der an der Revolution beteiligten Bevölkerung Kolbermoors wurde nach der Übergabe der Stadt am Bahnhof vor ein Standgericht gebracht und kräftig durchgeprügelt. Auch die Ermordung des Kolbermoorer Volksratsvorsitzenden Georg Schuhmann und dessen Sekretär Alois Lahn war eine besondere „Heldentat“. Am 3. Mai 1919 waren die Übergabeverhandlungen abgeschlossen und die Stadt übergeben. Am folgenden Tag wurden Schuhmann und Lahn von Grafinger Weißgardisten misshandelt und ermordet. Die Mörder wurden später freigesprochen. Zu den Weißen gehörten zahlreiche Freikorps. Aus dem Freikorps Oberland ging der „Bund Oberland“ hervor, der ab 1921 den Kern der SA in Bayern bildete. Auch die Einwohnerwehr Chiemgau prügelte gerne drauflos wie bei einer Expedition nach Hof im März 1920. Auf der Internetseite des Rosenheimer Stadtarchivs werden die Einwohnerwehren zurecht als „rechtsradikale Freiwilligenverbände“ bezeichnet.

Andreas Salomon

Rosenheim

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