Zum Bericht „Lärmschutz– Ludwig macht Krach“ und zum Kommentar „Augenmaß ist gefragt“ (Regionalteil):
Im Hinblick auf den Neubau eines dritten und vierten Gleises für den Brennerzulauf forderte Frau Ludwig umfangreiche Untertunnelungen und größtmöglichen Lärmschutz, verschweigt jedoch, dass es sich bei den geplanten Neubautrassen um Hochgeschwindigkeitstrassen mit einer Eignung für maximal 230 km/h handelt. Hochgeschwindigkeitstrassen bedeuten immer einen extrem Landschaftsverbrauch und eine extreme Lärmbelastung. Die geologischen Bedingungen im Inntal dürften eine großflächige Untertunnelung sehr schwierig machen. Eine Verknüpfungsstelle (gegebenenfalls zwischen Brannenburg und Raubling) kann nicht untertunnelt werden. Für den Gütertransport sind keine Hochgeschwindigkeitstrassen erforderlich! Auf den Neubautrassen sollten laut Bahn ja 80 Prozent Güter befördert werden. Wenn weitere Bahntrassen erforderlich sein sollten, reicht eine Auslegung auf Maximalgeschwindigkeit von 120 km/h! Um tatsächlich mehr Güter auf die Schiene zu bekommen ist ein Umdenken und konsequentes Handeln sowohl der deutschen, als auch europäischen Verkehrspolitik erforderlich. Seit Jahrzehnten hat die deutsche Verkehrspolitik (meist unter Führung der CSU) dem Abbau eines großen Teils der Bahninfrastruktur zum Güterverkehr tatenlos zugeschaut. Gleichzeitig wurde alles getan, um den Transport auf Lkw so kostengünstig wie möglich zu gestalten. Um den Güterverkehr generell und vor allem im Inntal auf die Schiene zu bekommen, ist nicht zwangsläufig eine neue Bahntrasse erforderlich, sondern vorrangig eine Erhöhung der Korridormaut, der Brennermaut und eine Verteuerung der Dieselkraftstoffe. Weiterhin könnte eine Alpen-Transitbörse dafür sorgen, dass eine gleichmäßige Verteilung des Gütertransports auf alle Alpenübergänge erfolgt. Das Inntal darf nicht zum Opfer einer verfehlten Verkehrspolitik werden.
Jakob Mangold-Boldt
Brannenburg
Frau Ludwig will sich für Lärmschutz längs der Schiene stark machen. Das ist lobenswert. Es klingt aber gleich im nächsten Satz der Vorwurf an die Tiroler Nachbarn durch, dass die sich darum bemühen, den Lkw-Verkehr im Inntal zu reduzieren und zu verlagern. Liebe Frau Ludwig: Wann machen Sie sich endlich dafür stark, Ihre Bevölkerung vor der permanent zunehmenden LkwLawine zu schützen? Warum unterstützen Sie nicht die Forderung der Tiroler und auch der Südtiroler, den Alpentransit per Lkw mit einer Korridormaut zu belegen? Sie könnten sich dazu auch an Vorbildern aus der Schweiz orientieren, wo Lkws auf jeder Straße eine Maut bezahlen müssen. Wann setzen Sie sich endlich für eine Verkehrspolitik in Deutschland ein, die konsequent eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene betreibt? Wie wäre es mit einer Obergrenze für den Lkw-Verkehr in Bayern? Was den zunehmenden Lkw-Verkehr auf unseren Straßen angeht, dazu schweigt Frau Ludwig leider beharrlich.
Dr. Willi Messing
Bad Aibling
Wir bewohnen in der dritten Generation unser Haus unmittelbar an der Bahnlinie Rosenheim-Salzburg (Entfernung 20 Meter, keine Lärmschutzfenster) und nur 200 Meter entfernt von der Bahnlinie Prien-Aschau. Der Zugverkehr hier steht dem auf der Kufsteiner Strecke kaum nach. Dennoch würden wir uns schönstens für die ebenso hohen wie hässlichen Lärmschutzwände nach dem im Artikel gezeigten Raublinger Vorbild bedanken. Solche Wände zerschneiden nicht nur die Landschaft, sie schränken auch die Sicht massiv ein und werden obendrein spätestens zwei Wochen nach ihrer Fertigstellung von Sprayern „verziert“. Wenn schon Lärmschutz, dann bitte nicht so, sondern an der Quelle: Dass auch schnelle Züge nicht laut sein müssen, beweisen schon seit Jahren Züge wie die Railjets der ÖBB, der Meridian und die modernen Container- und Sattelauflieger-Ganzzüge der türkischen Spediteure wie Ekol und Mars. Nur die DB hinkt da mit ihren vielen alten und lauten Güter- und Containertrag-Waggons noch hinterher. Genau hier sollte Frau Ludwig einhaken und damit nicht nur den in Richtung Kufstein Betroffenen, sondern sämtlichen Bahnanrainern helfen.
Christian Auffhammer
Prien
Unbestreitbar fördern höhere Kraftstoff-und Mautkosten die Güterverlagerung auf die Schiene und mindern Straßenverkehr. Der Interessenvertreter der IHK favorisiert eine Neubaustrecke unter Hinweis auf seine Kinder. Ich erinnerte mich: Eine IHK-Studie prognostizierte 2015 bei Verzicht auf diese Strecke eine Entlastung des Inntals infolge Verlagerung des Schienenverkehrs hin zum nicht ausgelasteten Gotthard-Basistunnel. Bericht der Tiroler Landesregierung 2016, Steigerungsrate des Schienengüterverkehrs über den Brenner im letzten Zehn-Jahres-Zeitraum 13,7 Prozent. Ich verglich: Die IHK-Studie beziffert den künftigen Zehn-Jahres-Anstieg der gesamten Güternachfrage im Nordzulauf auf 89 Prozent. Ich durchforstete die Quelle: BVU-Bericht 2010: Dieser Wert ist nicht nachvollziehbar und unglaubwürdig. Auch ich denke an meine Kinder: Droht dem Inntal Mehrverkehr durch den in der IHK-Studie prophezeiten trassebedingten „Investitionsimpuls“? Fazit: Derzeitiger Bauverzicht anstelle Vorratsplanung für 400 Züge, als Ausgleich besserer Lärmschutz an der Bestandsstrecke. Die Kapazitätsgrenze wird ohne grundlegendes politisches Umsteuern nicht erreicht, die Digitalisierung steigert die Taktfrequenz, der geplante Südzulauf ist auf maximal 250 Züge ausgelegt, die italienische Finanzlage prekär. Die Tunnelführung der als vorbildlich bezeichneten Tiroler Zulaufstrecke ist anwohnerfreundlich, nicht aber das Jahrzehnt der Bauphase sowie die dauerhafte Naturschädigung. Laut BVU-Bericht wurde das vorgegebene Nutzen-Kostenverhältnis 2010 knapp erreicht und eine Nachbearbeitung angemahnt; bei Mehrkosten und unvoreingenommener Nachberechnung kann es unter den Grenzwert sinken. Lesenswert: „Brennerbasistunnel – Wahnsinn mit Methode“ in trend.at. Der BBT, aus volkswirtschaftlicher Sicht eine Katastrophe, bringt kaum Milderung des Lkw-Transits und die EU-Mittel werden knapp!
Dr. Frieder Storandt
Neubeuern
Augenmaß, aber auch der ehrliche Wille, ist bei diesem, das Inntal dauerhaft verändernden Großprojekt der Politik und der Bahnen (DB und ÖBB) von allen Seiten gefordert und Voraussetzung dafür, dass der Erhalt der „hohen Lebensqualität in unserer Heimat“ garantiert ist. Nichts anderes fordern das Bürgerforum Inntal und die anderen Bürgerinitiativen. Abgesehen davon, dass allein schon mit einer generellen Kurskorrektur und Harmonisierung der gesamten Verkehrspolitik, auch über die Landesgrenzen hinaus, eine gezielte Entlastung der Bürger erreicht werden kann, gilt: Der Schutz unserer Heimat und seiner Bewohner ist oberstes Gebot jeder Infrastrukturmaßnahme. In der neuen CSU-Leitresolution (Banz 2018) wird richtig formuliert: „Fortschritt darf dauerhaft weder zu Lasten der Menschen noch zu Lasten der Natur gehen…“ Die Bevölkerung des bayerischen Inntals wartet zu Recht bei der Planung dieses Projekts dringendst auf eine derartige, konkrete und über den Wahltag hinaus verbindliche Zusage der politischen Entscheidungsträger. Erste Voraussetzung dazu ist, dass das Bundesverkehrsministerium endlich die längst versprochene, überfällige Bedarfsermittlung für diesen Streckenabschnitt vorlegt. Die in der Präambel des Bundesverkehrswegeplans 2030 als zwingend genannten Überprüfungen für die Einreihung der Strecke in den vordringlichen Bedarf liegen bis heute nicht vor. Im österreichischen Inntal wurden rund 80 Prozent dieser EU-geförderten Neubaustrecke als Tunnel, in Italien sind rund 180 von 190 Kilometer des Südzulaufs ebenfalls in einer solchen Tunnelbauweise geplant. Sollten tatsächlich der Bedarf und eine signifikante Straßenverkehrsentlastung im Inntal durch diese neue Hochgeschwindigkeitsstrecke nachgewiesen werden, muss zum Schutz der Bevölkerung aller Inntalgemeinden für diesen gesamten, vergleichsweise kurzen Streckenabschnitt eine Untertunnelung garantiert werden.
Dieter Dimmling
Neubeuern
Was unternimmt die Bundestagsabgeordnete Frau Ludwig, was tun die Landtagsabgeordneten aller Parteien, um uns Bürger und den wertvollen Lebensraum im Inntal vor dem zusätzlichen Bahnstrecken und zusätzlichem Verkehr zu schützen? Um die alte Zugtrasse durch das Inntal zu entlasten und effizienter zu machen, sollte der Neubau einer Güterzugschnellstrecke – ohne Bahnhöfe – nur mit Verladerampen entlang der Autobahn Nürnberg/Erlangen-Ingolstadt-München direkt nach Süden durch das Karwendel nach Schwaz/Vomp zum Brenner-Zulauf gebaut werden. Die Strecke wäre kürzer, es bedeutete mehr Zeit- und Energieersparnis. Man hört, dass noch mehr Belastungen als geplant auf uns zukommen. Man möchte die Verladerampe für Lkw auf Zug nicht schon weit vorher bauen, nein, erst ab Brannenburg. Dann würden die Tiroler Ruhe geben, aber wir hätten den Schlamassel – und noch mehr Lkw-Verkehr. Auch soll eine Untertunnelung zwischen Flintsbach und Kiefersfelden geplant sein. Wo bleiben da die anderen Gemeinden? Will man einen Keil zwischen die Gemeinden treiben? Bürgerinnen und Bürger wehrt euch, die nächsten Wahlen sind im Herbst.
Volker Konrad
Neubeuern