Steingraber: Fische waren schon krank

von Redaktion

Zum Bericht „1000 Kilo Fisch im Mangfallkanal verendet“ (Regionalteil):

Es ist in aller Munde, was Gülle alles anrichtet. Es scheint, dass der natürliche Dünger und die Bauern schuld am bevorstehenden Weltuntergang und am Aussterben jeglichen Lebens sind. Da kommt es doch ganz recht, wenn man ein Fischsterben beziehungsweise einen kostenintensiven Managementfehler auf die hiesigen Bauern und deren Gülle schieben kann. Da ist plötzlich ein massiver Gülleeintrag, welchen man natürlich nicht mehr nachweisen kann, wie der Zeitung erklärt wurde. Vereinsmitglieder und die Öffentlichkeit sollen ja nicht merken, dass eher kranke Fische aus einer Massenaufzuchtstation gekauft und diese noch zum falschen Zeitpunkt eingesetzt wurden. Ein Temperatursturz auf minus zehn Grad Celsius hat den kranken Fischen im eigentlich gesunden Ökosystem wahrscheinlich dann den Rest gegeben. Aber wie erklärt man jetzt, dass Vereinsgelder buchstäblich den Bach runter gegangen sind? Gott sei Dank kann man die Schuld auf die Gülle schieben. Bei so einer Meldung muss man auch nicht befürchten, dass lange nachgeforscht wird – was soll es sonst sein? Jetzt gilt es nur noch, die Herkunft der Gülle zu beschreiben. Nur schade, dass besonders hier etwas nicht erklärbar ist. Wenn der in Verdacht stehende Feldkirchener Bach auch zu 100 Prozent Gülle geführt hätte, wäre er nach Expertenaussagen des Wasserwirtschaftsamtes nicht in der Lage, den Mangfallkanal entsprechend zu „verseuchen“, sodass Fische in Gefahr wären. Zudem führt der Mangfallkanal so viel Wasser, dass eine zum Fischsterben führende Güllekonzentration sehr wohl noch nach Tagen oder Wochen erkennbar wäre. Weiter wurde festgestellt, dass zu dem entsprechenden Zeitpunkt keine umliegenden Felder aufgrund der Witterung gegüllt wurden.

Josef Steingraber

Geschäftsführer, Bayerischer Bauernverband Rosenheim

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