Zur Debatte um den Kreuz-Erlass von Ministerpräsident Markus Söder (Berichte im Politikteil, Leserbriefe):
In Bayern sind Staat und Kirche getrennt und es herrscht Religionsfreiheit. Das ist eine große neuzeitliche Errungenschaft. Herr Söder möchte per Erlass wieder etwas vermischen, was klar getrennt ist, und macht damit wieder einen Rückschritt, indem er ein religiöses Symbol für Wahlkampfzwecke missbraucht. Vielleicht erhofft er sich – so wie Kreuz und Knoblauch gegen Vampire helfen sollen –, dass Kreuze in öffentlichen Gebäuden gegen Islamisierungsangst am rechten Rand Stimmen für die CSU bringen. Herr Söder, Sie unterschätzen unseren gesunden Menschenverstand, wenn Sie glauben, dass man Ihre widersprüchliche Argumentation nicht durchschaut. Ist das Kreuz nun ein christliches Symbol oder nicht? Natürlich! Und es steht für ernsthafte Glaubensüberzeugungen, zu denen ein politischer Missbrauch nicht passt! Sie mögen am rechten Rand ein paar Stimmen gewinnen, riskieren aber, die Stimmen von vielen Menschen zu verlieren, die im christlichen lebendigen Glauben verwurzelt sind und einer Pseudo-Angst-Diskussion echtes Vertrauen, Mut und Hilfsbereitschaft entgegensetzen. Ihr Generalsekretär Markus Blume nennt die Kritiker eine „unheilige Allianz von Religionsfeinden“ und bezichtigt sie der „Heuchelei“. Dieser „Heuchelei“ dürfte wohl auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedform-Strohm, angehören, wenn er darauf hinweist, dass das Kreuz auch Feindesliebe, Einsatz für die Schwachen, universales Liebesgebot bedeute; also nicht zur Abwehr gegen andere, sondern als Grundlage dafür, dass wir Verantwortung für alle Mitmenschen haben – auch für Flüchtlinge. Ebenso äußert sich Kardinal Marx sehr kritisch gegen den Kreuzerlass. Ihre ganze Aktion sollte als misslungene Wahlkampffarce möglichst schnell in der Schublade „Schuss nach hinten“ verschwinden.
Thomas Stadler
Elisabeth Huber
Traunstein
Seit Jesus Christus steht das Kreuz dafür, für die Menschenliebe alles zu geben und notfalls für sie unterzugehen. Was das für die Flüchtlings-, die Kultur-, die Entwicklungs- und Sozialpolitik bedeutet, weiß jeder. Das Kreuz klagt alle an, die Jesus nachfolgen, aber diesen Weg nicht gehen. Und es fragt alle, die anders denken, an, ob die Liebe nicht doch wertvoller ist als alles andere. Man kann und muss darüber diskutieren, wie viele Flüchtlinge ein Land verträgt und wie sie zu behandeln sind. Man kann und muss darüber reden, wie viel Sicherheitsgefühl man Menschen vermitteln muss und wie das gelingt. Man kann und muss über Kultur, Werte und Orientierung reden und sich überlegen, wo man selbst, wo Bayern, Deutschland, Europa und die Welt hin soll. Man kann das alles ohne das Kreuz tun. Niemand muss Christ sein. Aber jedem, der Jesus ernsthaft nachfolgen will, muss es den Magen umdrehen, wenn der bayerische Ministerpräsident das Kreuz zum Abwehrzeichen gegen Fremdes pervertiert. Die Arme des Gekreuzigten und jedes Menschen, der ihm nachfolgt, sind für alle Menschen und ihre Bedürfnisse offen. Das bringt die Form des Kreuzes so mit sich. Und daran ändert auch Herr Söder nichts – es sei denn, er sägt die Arme ab. Aber dann ist´s eben auch kein Kreuz mehr, sondern ein Strich.
Michael Krauß
Evangelischer Pfarrer
Siegsdorf
Frau Möllers, Sie haben sicher gelesen, was der österreichische Nuntius Erzbischof Peter Zurbriggen über die deutschen Bischöfe im Zusammenhang mit Kreuzen in bayerischen Behörden gesagt hat. Damit ist wohl alles zu Ihrem Kommentar „Söders Irrweg“ gesagt. Kardinal Marx hat ja inzwischen auch zurückgerudert.
Thaddäus Weindl
Raubling