Zu „Misstrauen gegen Großbritannien“ (Leserbriefe):
Das britische Labor in Porton Down kann nicht eindeutig nachweisen, dass das in Salisbury verwendete Gift von Russland hergestellt wurde. Herr Strickner kommt in seinem Leserbrief daher zu dem bemerkenswerten Schluss, dass es sich also bei der Schuldzuweisung Großbritanniens an Russland um Lügen handle, als ob durch den mangelnden Nachweis das Gegenteil bewiesen wäre, nämlich dass Russland nicht an der Tat beteiligt war. Die OCPW hat nachgewiesen, dass es sich um ein Nervengift von so großer Reinheit handelt, dass dies auf ein staatliches, militärisches Labor als Hersteller hinweist. Das schließt Russland als möglichen Täter eben nicht aus. Aber Russland ist natürlich nie schuld: der noch zu untersuchende Giftgasangriff auf Duma in Syrien ist nämlich laut Russland von Großbritannien inszeniert worden, dafür habe man Beweise. Warum diese angeblichen Beweise in den letzten Wochen nicht vorgelegt wurden …? Besonders interessant wird es, wenn der russische UN-Botschafter im gleichen Fall behauptet, russische Spezialisten hätten keine Giftgasspuren gefunden. Also ein inszenierter Giftgasangriff Großbritanniens ohne Giftgas? Da verwundert es nicht, wenn Großbritannien Russland nicht bei den Untersuchungen im Fall Skripal beteiligt, wie Herr Strickner moniert. Nachdenken sollte man auch darüber, dass nicht nur für Russland unangenehme Spione ein oft kurzes Leben haben, sondern auch Journalisten. Seit 1992 wurden in Russland 58 Reporter getötet, Hintermänner dieser Taten wurden nur selten überführt. Wahrscheinlich stellt sich noch heraus, dass auch Boris Nemzow in Kremlnähe nicht ermordet wurde, sondern Suizid begangen hat. Das Vertrauen in Russland als Leichtgläubigkeit zu bezeichnen, ist da ein absoluter Euphemismus.
Bernward Schmidt
Prutting