Zum Umgang mit „Randgruppen“ (Berichte im Politikteil):
Ich lese zurzeit immer wieder einmal den Immobilienteil Ihrer Zeitung und stolpere des Öfteren über Anzeigen wie: „Christliche Familie sucht Haus“ oder „Wohnung von deutschem Ehepaar zu kaufen gesucht“ und komme ins Nachdenken: Eine meiner Nachbarinnen kommt aus Tschechien, ah, die andere, alleinerziehend, war auch aus Tschechien, nebenan lebt schon zum zweiten Mal ein Frauenpaar, in der anderen Wohnung eine Familie mit kroatischen und rumänischen Wurzeln. In meiner engeren und entfernteren Familie gibt es Partnerschaften zu Franzosen, Amerikanern, Bosniern (Muslim). Während meines Studiums lebte ich in einem internationalen Studentenwohnheim, hatte damals Kontakt zu den Afrikanern im Haus und kannte alle Schwarzen in Schwabing. Meine Kolleginnen haben bosnische, englische und türkische Wurzeln, es sind sogar Berliner (konfessionslos) und etliche Franken (!) dabei. Beruflich befasse ich mich mit Pubertierenden (!) aus Bayern, aber auch mit jungen Menschen balkanischer, osteuropäischer oder türkischer Herkunft. Als Vereinsvorstand habe ich es mit Bulgaren, Österreichern und wirklich Alten zu tun, die ich auch meine Freunde nenne. Des Weiteren bin ich sowohl mit Kindern, Bauern, als auch mit schwulen und lesbischen Menschen befreundet. Einige davon sind fest in der katholischen Kirche verankert und haben auch dort ihren beruflichen Schwerpunkt. Kontakt pflege ich zudem mit politisch Engagierten und auch mit Menschen, die gern mal einen über ihren Durst trinken. Die einzigen wirklichen Probleme hatte ich bisher mit einem deutschen Betrüger, der mich fünf Jahre meines Lebens sehr belastet hat. Mit meinem bayerischen Lebensgefährten hatte ich dagegen wirklich Glück. Haben wir wirklich so viele Probleme mit „Randgruppen“? Oder wirkt inzwischen die populistische Meinungsmache der AfD und seit Kurzem auch der CSU? Oder lebe ich auf einer Insel der Seligen?
Bettina Schmidt-Lanzinger
Mühldorf