Nachhall der türkischen Wahl

von Redaktion

Zum Bericht „Erdogan auf dem Zenit seiner Macht“ (Politikteil):

Erdogan und mit ihm das Präsidialsystem haben die Wahl gewonnen. Gratulationen entsprechen den normalen diplomatischen Gepflogenheiten. Wenn aber ein Glückwunsch verbunden ist mit der Bitte um mehr Demokratie, so ist dieses Ansinnen geradezu absurd. Diese Präsidialherrschaft kommt nämlich den Vorgaben des Koran entgegen! (Nur Gott oder sein Stellvertreter haben das Recht, Menschen zu regieren.) Dem türkischen Präsidenten untersteht direkt das Ministerium für Religion in Ankara und somit ist er auch das Oberhaupt aller Moscheenverbände und aller Imame. Vorbildfunktion hat Mohammed mit seiner kombinierten Machtfülle eines weltlichen Herrschers und der des Propheten. Heutzutage wird nicht nur geträumt von einem neuen Sultanat oder Kalifat. Die türkisch-deutschen Wähler haben mit großer Mehrheit das Präsidialsystem gewählt. Wissen wir, welche Wunschvorstellungen in ihnen schlummern? Gegen Ende des Jahrhunderts werden unsere Nachfahren die heutige Entwicklung kennen, ob Sultanat oder Kalifat, mit Sicherheit aber kein Abendland mehr.

Udo Proske

Rosenheim

Das Wahlergebnis in der Türkei, welches zur Alleinherrschaft des Präsidenten Herrn Erdogan hinführt, ist bestimmt kein Fortschritt für eine freiheitliche Demokratie. Wenn man den Wahltermin betrachtet, hat Herr Erdogan diesen in die Zeit des noch bestehenden Ausnahmezustandes verlegt, wo die freiheitliche Meinungsäußerung eingeschränkt ist. Als großer Staatsmann, wie er sich gibt, hat Herr Erdogan da eine Schwäche gezeigt: Er befürchtete wohl, dass er bei einer uneingeschränkten Meinungsfreiheit im Wahlkampf die Mehrheit verloren hätte. Laut Medienberichten hat die Hälfte der stimmberechtigten Türken in unserem Land keine Stimme abgegeben. Warum, dazu kann sich jeder selbst seine Meinung bilden, wahrscheinlich aus der Sicht, was wollen wir, uns geht es in Deutschland gut. Die zweite Hälfe hat mit 65 Prozent für Erdogan gestimmt. Hier frage ich mich, warum haben sie ihr Land verlassen? Da kommen wieder Stimmen von manchen Besserwissern auf, die die Integrationsbemühungen unseres Staates schlecht finden. Unser Staat hat in der Flüchtlingskrise Vorbildliches geleistet, durch den persönlichen Einsatz der Helfer- kreise und die finanziellen Mittel, die eingesetzt wurden, was eine volle Anerkennung verdient. Man kann jemanden nicht integrieren, wenn er nicht will und sich nicht selbst unserem Staatsgebilde anpasst, wo er sein Brot verdient und unsere sozialen Errungenschaften genießt. Wer aber von den Migranten die Ideen seines Heimatlandes bei uns verwirklichen will und politisch unterstützt, für den ist unser Land nicht der richtige Platz.

Josef Fenninger

Weibhausen

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