Von wegen „schönste Nebensache“

von Redaktion

Zum WM-Aus der deutschen Fußballnationalmannschaft (Berichte im Politikteil):

So enttäuschend das Abschneiden der deutschen Mannschaft ist, sollte man vielleicht auch einmal ein bisschen Demut vor anderen Nationen haben. Mexiko und Südkorea haben unser Spiel durchschaut und eine erfolgreiche Gegenstrategie entwickelt. Das muss einem nicht gefallen, aber man sollte es zumindest anerkennen. Alle möglichen Hobbypsychologen und Möchtegerntrainer wissen natürlich nachher alles besser. Die Sucht, für alles einen Sündenbock zu finden, greift jetzt um sich. Kann man die angeblich schönste „Nebensache“ der Welt nicht einfach Spiel sein lassen, bei dem mal der eine und mal der andere gewinnen kann? Müssen wir das jetzt bis ins letzte Detail analysieren, um dann zielgerichtet wieder der Beste von allen sein zu können? Sollen nicht auch mal Länder wie Kroatien oder Belgien oder Kolumbien eine Chance haben, den Pokal zu holen? Seien wir froh, dass man anscheinend nicht alles vorherbestimmen kann. Genau daraus entsteht doch die Spannung eines Spiels. Wenn von vornherein andere keine Chance hätten, warum spielen wir dann noch?

Reinhold Beer

Schnaitsee

Die deutsche Nationalmannschaft hätte ihren Weltmeistertitel kampflos abgeben und gar nicht nach Russland fahren sollen, in ein Land, indem sich der allmächtige Herrscher Wladimir Putin weltoffen und gastfreundlich während der Fußballweltmeisterschaft gibt. Doch dieses Bild hat mit der Realität wenig zu tun. Die Regierung schränkt grundlegende Freiheitsrechte massiv ein. Wer sich in Russland für die Menschenrechte einsetzt, wird bedroht oder eingeschüchtert. Unabhängige Nichtregierungsorganisationen werden als „Agenten“ denunziert. Auch Memorial, eine der wichtigsten Menschenrechtsorganisationen des Landes, steht im Visier der Behörden. Oyub Titiev, der Leiter des Memorial-Büros im tschetschenischen Grosny, sitzt wegen haltloser Vorwürfe in Untersuchungshaft – und das bereits seit Januar. Amnesty International fordert bis jetzt vergeblich seine sofortige Freilassung! Aber es geht bei dieser Fußballweltmeisterschaft ja nur um das große Geld und nicht um Menschenschicksale.

Hans-Joachim Feiner

Stephanskirchen

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