Zum Bericht „Die Furcht vor dem ,Bauchgefühl der Menschen‘“ (Bayernteil):
Die IHK Oberbayern sorgt sich um weitere Gewerbegebiete auf der grünen Wiese und versucht nebenbei, den Flächenverbrauch für Straßenbauten, Supermärkte und Co. zu verharmlosen. Und manche Bürgermeister haben plötzlich Angst vor dem „Bauchgefühl der Menschen“, so die immer wiederkehrenden Berichte über Aussagen von Politikern zum Flächenverbrauch. Das Volksbegehren der Grünen hat sie aufgeschreckt. Doch welch anderes Gefühl soll man haben, wenn in Bayern täglich 13 Hektar (schöngerechnet zehn) aus Natur und Landwirtschaft genommen werden? Man beachte: täglich. Wird das weniger, bloß weil man einen (wirtschaftlichen) Grund dafür hat? Die verbrauchten Flächen sind Teil unserer Lebensgrundlagen, entweder als Ernährungsfläche oder als Naturfläche, die die Ökosysteme noch am Laufen hält. Wann ist davon dann nichts mehr übrig? Oberbayern, vor allem das Umland um München ist besonders betroffen. Gewerbe zieht Wohnbedarf und Straßenbau nach sich. Auch verdichtetes und noch so flächenintensives Bauen wird den derzeitigen Wohnungsbedarf in den Regionen München, Oberland, Chiemgau nicht befriedigen können. Deshalb ist das Volksbegehren sehr wichtig. Nur so kann sichergestellt werden, dass sich Regierung und Gemeinden endlich Lösungen überlegen, wie dieser ungezügelte Landverbrauch auf ein vernünftiges Maß zurückgefahren werden könnte. Die CSU hätte jedenfalls schon über 30 Jahre Zeit an der Regierung gehabt, durch eine intelligentere Strukturpolitik diesen einseitigen, hohen Flächenverbrauch in Oberbayern zu minimieren. Zum Beispiel hätte man schon lange die bereits verbrauchten Flächen in Form von Industriebrachen und aussterbenden Dörfern in Oberfranken und Oberpfalz reaktivieren können.
Sepp Genghammer
Bernau