Zur Berichterstattung über den Nordzulauf zum Brennerbasistunnel und zu „Große Mehrheit für Streckenausbau“ (Regionalteil):
Wenn man sich die Mühe macht und die Umfrage von Forsa im Detail betrachtet, fällt auf: Die Umfrage wurde zwischen 11. Mai und 8. Juni durchgeführt. Die Umfrage wurde aus meiner Sicht, ganz bewusst, vor der Veröffentlichung der Grobtrassen durchgeführt. Nach der Veröffentlichung der Grobtrassen hätte sich sicherlich ein anderes Meinungsbild ergeben, denn erst dann wurde für einen großen Teil der Bevölkerung klar, welche Belastungen dieses Projekt für die gesamte Region Inntal und Rosenheim mit sich bringt. In den Fragen 1 bis 4 werden ausschließlich Fragen gestellt, die sich mit dem Lkw-Verkehr und der Stausituation im Inntal beschäftigen, etwa „Wie empfinden Sie persönlich die Auswirkungen des Lkw-Verkehrs auf der Autobahn im Inntal? Würden Sie sagen, die Auswirkungen sind sehr belastend, eher belastend, eher nicht belastend oder überhaupt nicht belastend?“ Oder ob beispielsweise mehr Güter mit der Bahn befördert werden sollten. Es ist klar, dass zu diesen Fragestellungen eine hohe Zustimmung erfolgt. Erst Frage 8 lautet: „Wie stehen Sie persönlich zu dem Ausbau der Eisenbahnstrecke in Richtung Brenner: Sind Sie dafür oder sind Sie dagegen?“ In Frage 8 wird lediglich von einem „Ausbau der Eisenbahnstrecke in Richtung Brenner“ gesprochen. Die Befragten werden vollkommen im Unklaren darüber gelassen, wie denn der Ausbau aussehen soll. Es wird nicht gefragt: „Sind Sie für eine Neubaustrecke mit einem dritten und vierten Gleis in Hochgeschwindigkeitsauslegung“ (denn dies ist die Realität). Die Umfrage ist klar daraufhin ausgelegt, dass zur Frage 8 eine möglichst hohe Zustimmung erfolgt. Bleibt weiterhin festzustellen, 970 Personen (75 Prozent der Befragten in der Region Rosenheim) haben sich für einen Ausbau ausgesprochen, den Bürgerinitiativen zum Brenner-Nordzulauf liegen 15000 Unterschriften vor, die sich dagegen ausgesprochen haben.
Jakob Mangold-Boldt
Brannenburg
Umfrageergebnisse, wie sie die Planer der Zulaufstrecke gerne sehen. Schaut man sich die aber selber einmal an, wird es nicht mehr so klar (www.brennernordzulauf.eu). In den ersten drei Fragen stellen die Befragten klar fest, dass der Lkw-Verkehr eine große Belastung ist und dringend möglichst auf die Schiene verlagert werden sollte. Danach wurde erst nach einem „Ausbau“ der Zulaufstrecke gefragt, dem 78 Prozent zustimmten. Ausbau ist aber nicht automatisch Neubaustrecke! Weiter unten geben 69 Prozent der Befragten an, noch zu wenig Informationen zu haben. 57 Prozent haben sich schon eine Meinung zum Projekt gemacht, davon sind sich 86 Prozent sehr sicher. Dafür oder dagegen wurde an dieser Stelle gar nicht gefragt. Wichtige Ergebnisse der Umfrage sind am Ende zusammengefasst. Den Bürgern ist sehr wichtig: 1. Güterverkehr auf die Schiene. 2. Unbedingter Schutz vor Bahnlärm. 3. Erhalt der Natur und Schutz der Heimat vor massiven Eingriffen. 4. Schutz der landwirtschaftlichen Flächen. Verkehrsminister Herrmann sagte im Februar, dass auf der bestehenden Strecke noch 100 Güterzüge mehr fahren könnten, Österreichs Verkehrsminister Hofer, dass 30 bis 40 Prozent des Güterverkehrs über den Brenner Ausweichverkehr ist, weil diese Strecke billig ist. Wenn der Brennerbasistunnel fertig ist, kann eine Lok die doppelte Tonnage fahren. Da ist viel Luft nach oben auf unserer Inntalstrecke, die in 50 Jahren noch reicht. Und eine Schnellfahrstrecke für ein paar ICEs oder Railjets ist überflüssig. Guter Lärmschutz an der Bestandsstrecke wäre fast schon geschenkt.
Michael Bachleitner,
Brannenburg