Zum Bericht „Falsche Themen, falsche Gäste“:
Die Öffentlich-Rechtlichen gehören wieder allem Anschein nach dem Volk, und das bedeutet in einer Parteiendemokratie: den Parteien. So kungelt in den Kontrollgremien die zweite bis fünfte Garnitur von Union und SPD die Spitzenjobs und damit die politische Grundrichtung im Wesentlichen unter sich aus. ARD und ZDF sollen durch eine Grundversorgung an Information, Bildung und Unterhaltung garantieren, dass das Verfassungsrecht auf Meinungs- und Informationsfreiheit vom Bürger auch wahrgenommen werden kann. In puncto substanzlosem Kult können die vier Politiktalkshows durchaus mit der Endlosschleife „Lindenstraße“ mithalten. Was Wunder, denn um Auftritte bei Talkrunden, sogar bis hinunter zu Kerner oder Beckmann, reißen sich Politiker, es gibt kaum Tabus bei diesem immerwährenden Wahlkampf. So argumentieren wie eh und je die ewig gleichen Polit-Promis mit den ewig gleichen Sprechblasen zu den ewig gleichen Themen – und auch das, wie eh und je, meist nur zum Schein. Geredet wird so lange, bis es knallt. Und wenn die Gäste nicht wollen, dass es knallt, dann kommt der Moderator, und hetzt sie aufeinander los. Die Gretchenfrage lautet eigentlich nur: Wird hier Politik nur mies verkauft oder miese Politik gebührend abgebildet? Die meisten Menschen kommen zu ihren politischen Meinungen mehr im Gespräch mit Familienmitgliedern, Arbeitskollegen, Nachbarn und Freunden als über die Medien. Wo aber haben die ihre politischen Ansichten her? Zumindest der Fernsehzuschauer ist nicht unbedingt „wehrloses Opfer“. Weit davon entfernt, sich manipulieren (erziehen, informieren, bilden, aufklären, mahnen) zu lassen, manipuliert er das Medium. Wer sich nicht fügt, wird per Tastendruck mit Liebesentzug bestraft, wer sie erfüllt, durch Quoten belohnt.
Wenzel Schuster
Töging