Zum Bericht „Menschenkette gegen Trassenbau“ (Regionalteil):
Der starke Lkw-Transit ist eine von der Politik zugelassene oder gar bewirkte Fehlentwicklung. Man hat den Binnenmarkt geschaffen, ohne an ausreichende Voraussetzungen, wie etwa den Schienentransit, zu denken. Und so kann man es der Bevölkerung im österreichischen Inntal nicht einmal vorwerfen, wenn sie sich nach vielen Jahren stillen Protests nun mit diesen offiziell als Blockabfertigung bezeichneten Verkehrsbehinderungen gegen den steigenden Verkehr auflehnt. Landeshauptmann Platter schwebt eine Korridormaut vor, die den Umstieg auf die Schiene bewirken soll. Leider stört ihn dabei weniger, oder es kommt ihm nicht ungelegen, wenn diese „Dosierung“ des Lkw-Verkehrs an 23 Terminen 2018 den bayerischen Grenzraum und die Transportwirtschaft in Mitleidenschaft zieht. So nimmt er sich „Geiseln“ für die Durchsetzung seiner Forderung. Man könnte für Platter fast Verständnis aufbringen, wenn er in seiner Verzweiflung über deutsche Dickfelligkeit zu solchen Mitteln greift. Aber unbeteiligte Verkehrsteilnehmer quasi festzusetzen und zusätzliche Umweltbelastungen in anderen Regionen zu erzeugen, darf nicht als Politikmittel durchgehen. Nachdem durch die Maßnahme kaum ein Lkw weniger Tirol passiert, verstärkt sich der Eindruck einer Schikane. Auf deutscher Seite befürwortet man den Gütertransport durch den Brennerbasistunnel. Da erschließt es sich nicht, warum erst jetzt die Diskussion mit der Bevölkerung geführt wird, ob zusätzliche Trassen erforderlich sind und wo sie verlaufen sollen. Seit fast zehn Jahren stellt die CSU den Verkehrsminister. Das ist ein miserables Zeugnis. Wenn man daran glaubt, dass Druck für Tempo sorgt, könnte uns Platter noch lange mit der Blockabfertigung drangsalieren. Politiker wie Trump oder Erdogan würden mit Gegendruck reagieren. Nicht wenige Betroffene erwarten so eine Reaktion auch von der Bundesregierung.
Norbert Vogel
Schechen
Ich finde es gut, dass die Menschen im Inntal gegen den Nordzulauf zum Brennerbasistunnel auf die Straße bzw. auf die Wiese gehen. Leider ist das vermutlich viel zu spät. Als der Brennerbasistunnel und somit auch die Zulaufstrecke vor vielen Jahren beschlossen wurde, da wäre Widerstand angesagt gewesen, nur leider haben sich damals nur wenige dafür interessiert, lokale Politiker schon gleich gar nicht. Die Trasse wird in irgendeiner Form kommen, da bin ich felsenfest davon überzeugt, und ich bin gespannt, ob die betroffenen Inntalgemeinden solidarisch zueinander stehen werden, wenn es richtig heiß wird. Das Dialogverfahren halte ich für eine geschickte Vernebelungstaktik. Die Grundaussage zu den vorgestellten Trassenmöglichkeiten war: „Die Trassenführung wird nach Erwägung des Kosten/Nutzenverhältnisses gebaut werden, eine Ertüchtigung der Bestandsstrecke ist nicht Teil der Planungen“. Unabhängig von den Kosten wäre das aus meiner Sicht für die an der bestehenden Strecke liegenden Gemeinden die beste Lösung, für Raubling sowieso. Extrem interessant finde ich auch das Verhalten der im Raum Rosenheim ansässigen Landes- und Bundespolitiker, wie Frau Aigner, Frau Ludwig und Herrn Stöttner. Ich habe da noch keinerlei Aussagen bezüglich der Zulaufstrecke wie auch dem sprunghaft zunehmenden Lkw-Verkehr durchs Inntal mitbekommen, die ähnlich wie in Tirol dem Schutz der Bevölkerung dienen würden. Eher im Gegenteil, die Blockabfertigung der Tiroler wird heftig kritisiert, die sinnlosen Grenzkontrollen auf bayerischer Seite dagegen scheinbar eine einzige Erfolgsgeschichte. Die führenden Politiker bringen es ja nicht einmal fertig, die Lkw-Maut an das österreichische und schweizerische Niveau anzugleichen. Die einzigen Verbündeten der bayerischen Inntalbewohner scheinen die Tiroler zu sein, die eigenen Politiker sind es jedenfalls nicht.
Harald Kaiser
Raubling