Die Kirche, die Austritte und der Kardinal

von Redaktion

Zu „Marx noch katholisch“ und zu „Mit Benchmarking die Kirche retten?“ (Leserbriefe):

Die Art und Weise, wie immer wieder festgefahrene fromme Katholiken in Leserbriefen kirchliches Glaubensgut darstellen, ist erschütternd. Sie akzeptieren nicht, dass die Kirche ihre eine und unverbrüchliche Wahrheit heute wie zu allen Zeiten nie anders als in bestehender Gegenwartssprache ausdrücken und verwirklichen kann. Sie klammern sich vielmehr an längst vergangene Vorstellungsbilder und Sprechweisen und werfen jedem, der nicht ebenso daran festhält, Irrgläubigkeit vor, sei es auch ein Papst oder Bischof. Sie kämpfen für die „Wahrheit“, leisten aber tatsächlich der Glaubwürdigkeit echter Wahrheit, die suchenden Menschen eine Hilfe wäre, einen Bärendienst. Zu einem ehrlichen und offenen Meinungsaustausch sind sie gar nie bereit, vermutlich aus Angst, der Glaube, so wie sie ihn vertreten, könnte seine Argumentationskraft verlieren. Damit hätten sie allerdings Recht.

Otto Wiegele

Rosenheim

Das größte unendliche Leid haben wohl zu allererst unsere christlichen Vorfahren über die Menschheit gebracht. Egal auf welchem Kontinent die europäischen Christen gelandet sind, verbreiten sie im Namen des Kreuzes nur Angst und Schrecken, Raub, Plünderung, Ausrottung der indigenen Bevölkerung, gewaltsame grausame Zwangsmissionierungen, Zerstörung der Natur. Im Juni 2013 wurde von der Unesco die persönliche Ausgabe von Marx „Das „Kapital“ in das Weltregister der Dokumentenerben aufgenommen. Die Schrift wird im internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam aufbewahrt. Im 19. Jahrhundert wurde die arbeitende Bevölkerung bis aufs Blut ausgebeutet. Ein Leben im Elend. Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert war die Kinderarbeit ab dem Alter von vier oder sechs Jahren an der Tagesordnung und verhinderte jeglichen Schulbesuch. Die fast unumschränkt herrschenden christlichen Landesfürsten standen aufseiten der Unternehmer und waren nur an der Erhaltung ihrer Macht interessiert. Auch die Kirchen waren nur ein Sprachrohr dieser Kräfte, mit diesen Aussagen der „Theologie der Ordnung“: Die Ständeordnung ist gottgewollt und unantastbar. Wer sich nicht fügt, ist ungehorsam und verstößt gegen Gottes Willen. Auch der Staat ist eine von Gott geschaffene Ordnung. An seiner Spitze steht ein Fürst von Gottes Gnaden. Staat und Kirche arbeiten Hand in Hand zur Erfüllung der Aufgabe des Schöpfers. Es war eine verhängnisvolle Ehre von „Thron und Altar“ und trug zur Entfremdung von Kirche und Arbeiterschaft bei. Der Sozialismus und Kommunismus, der in der DDR und der Sowjetunion herrschte, war meilenweit vom ursprünglichen Marxismus entfernt. Hätten sich die christlichen Institutionen immer korrekt benommen, wäre Marx überflüssig gewesen. Meine größte Hochachtung gilt Kardinal Marx, der sich wohl mit diesem Fehlverhalten seiner Kirche auseinandergesetzt hat.

Frieda Baumann

Nußdorf

Die Austrittszahlen der beiden Kirchen besagen uns doch, dass im gesamten Apparat hinten und vorne nichts mehr stimmt! Belügen wir uns nicht und schauen der Wahrheit in die Augen, seit der Causa „II. Vaticanum“ ist doch Schluss mit der Glaubenswahrheit. In allen Sparten ging es mit der Kirche bergab, alles, was mit dem katholischen Glauben zusammenhängt, wurde aufgegeben. Papst Paul VI. sagte später, dass „der Rauch Satans in die Kirchen und Kathedralen eingedrungen“ sei und somit die Selbstzerstörung des gesamten katholischen Glaubens eingeleitet wurde. Diese immensen Austrittszahlen sind ein Alarmzeichen und rufen uns doch gleichzeitig auf, endlich wieder zum einzig wahren Glauben der Tradition, zum Vaterglaube, zum Glauben unserer Väter und Urgroßväter, zurückzukehren. Außerdem sind wir auch ein wenig selber schuld an dieser Glaubensmisere: Wir sind zu lasch und zu bequem, um mehr zu beten. In einer katholischen Presseaussendung war vor circa einem Jahr zu lesen: „Das gesamte Westeuropa vegetiert und lebt so dahin, als gäbe es Gott überhaupt nicht!“ Die Botschaften der Gottesmutter von Fatima sind heute wichtiger als vor über 100 Jahren. Mit diesen dramatischen Austrittszahlen möchte uns der Herrgott erinnern, zu seinem eigenen Glauben zurückzukehren.

Jakob Grandl

Riedering

Kardinal Reinhard Marx hat Innenminister Seehofer nicht nur wegen seiner angeblich „höchst unangemessenen“ Wortwahl, sondern auch wegen seiner angeblichen Wanderung „nach rechts“ aufs Schärfste kritisiert. Ich erinnere mich, dass eben dieser Kardinal Marx dieses Jahr im Februar Teilnehmer der Münchener Sicherheitskonferenz gewesen war. Manche behaupten sogar, er wäre Ehrengast gewesen. Ehrengast bei einem Treffen von Nato-Generälen, Politikern, Geheimdienstlern, Konzernmanagern und Milliardären. Viele von denen waren bei den Entscheidungen zum Überfall auf Afghanistan und den Irak, zur Zerstörung von Jugoslawien und Libyens und jüngst zum Angriff auf Syrien in verantwortlicher Position mit dabei. Das muss dem Herrn Kardinal bewusst gewesen sein. Auf dieser Konferenz hätten wir uns starke Worte vonseiten des Kardinals gewünscht gegen diese Angriffskriege, gegen das Verbrechen mit der Nato-Uran-Munition, gegen den fortwährenden Bruch des Völkerrechts. Nichts davon haben wir gehört. Aber gegen einen, der leise anfängt, ein kleines bisschen mehr Rechtsstaat zu wagen, fährt der Herr Kardinal schwere Geschütze auf. Er braucht sich nicht zu wundern, wenn ihm die Gläubigen in Scharen den Rücken kehren.

Dr. Andreas Strasser

Bruckmühl

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