Zum Bericht „Seehofer begeisterte Mehrheit“ im Lokalteil:
Herr Seehofer wurde in ein Bierzelt geladen, das mit für CSU-Ortsgruppen reservierten Tischen gefüllt war. Auch wenn diese verhältnismäßig dürftig besetzt waren, war der Erfolg seiner Parolen so bereits von Beginn an entschieden. Auch wenn er mit seiner mit Fakten dürftig gespickten Rede sich ausschließlich dem Thema Asyl, ich korrigiere, Asylproblematik, widmete, brodelte das von Emotionen durchzogene Zelt mit Beifall. Bürgernahe Themen ließ er völlig außen vor. Fragwürdig war außerdem, dass er sich auf nicht repräsentative, sondern lediglich gut zu verkaufende, negative Beispiele beschränkte. Die vielen positiven Beispiele von integrierten Asylanten blieben unerwähnt. Herr Seehofer betonte stets den Rechtsstaat, und schien dabei zu vergessen, dass dieser nicht nur durch Pflichten der Bürger, sondern auch durch Rechte der sich darin befindenden Menschen geprägt sein sollte. Ein Recht auf Asyl, ein Recht auf Toleranz und Chancengleichheit bei Wohnungssuche und Berufsausbildung. Schließen möchte ich mit Herrn Seehofers Lob auf die Entwicklungshilfe, durch die den Menschen vor Ort in den Krisenherden geholfen werden soll. Schade nur, dass es zum einen Deutschland erst 2017 das erste Mal geschafft hat, die zu erreichenden 0,7 Prozent (!) des Bruttoinlandsprodukts in Entwicklungshilfe fließen zu lassen. Zudem erscheint es mir fraglich, wie viel diese 0,7 Prozent in zerbombten oder von Krankheiten und Arbeitslosigkeit geplagten Ländern bewirken, wenn dort zugleich in Deutschland produzierte Rüstungsexporte von Terrormilizen eingesetzt werden oder Freihandelsabkommen die wirtschaftlichen Möglichkeiten beispielsweise afrikanischer Länder auf null minimieren. Ich hätte gerne selbst meine Zweifel angebracht, da auf den Plakaten „Seehofer/Huber – hören zu und sprechen“ zu lesen war. Nur leider gab es am Ende keine Fragerunde mehr.
Ingrid Eder
Mühldorf