Die schonungslose Transparenz

von Redaktion

Zur Berichterstattung über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche und zum Artikel „Ross und Reiter nennen!“ (Blickpunkt-Seite):

Diejenigen Bürger, die seit Anno Domini so gerne die CSU wählen, sollten vor der bayerischen Landtagswahl am 14. Oktober daran denken, dass gerade die C-Parteien es waren, die etwa der katholischen Kirche so viel rechtliche Macht zugeschanzt hatten. Wer die Pressekonferenz mit Kardinal Marx in Fulda gesehen hat, wie Marx pro forma um Entschuldigung bat, der sah schon, dass er gar kein Interesse hat, die Täter der Justiz auszuliefern. Und nur dies würde bei den Gläubigen das Vertrauen zurückgewinnen!

Matthias Fuchs

Waldkraiburg

Jedem durchschnittlich aufmerksamen Zeitungsleser fällt doch auf, dass bei allen nicht mehr zu verheimlichenden Verbrechen wie Steuerhinterziehungen, Lebensmittelskandalen, Schmiergeldaffären, illegalen Parteienfinanzierungen oder Kindesmissbrauch sofort die schonungslose Transparenz erst gefordert, dann angekündigt und kurz darauf vergessen wird. Jetzt fordert genau das Dr. Andreas Batlogg, Jesuit, Chefredakteur mit Doppelstudium und sicher zur intellektuellen Elite der Amtskirche gehörend. Und er ließ sich von einer sehr versierten Journalistin interviewen. Da fiel die fromme Maske bereits nach der ersten Frage, die sinngemäß lautete, ob der Papst die Kirche reformieren könne. Und Batlogg ist zu intelligent, um diese Frage nicht stromlinienförmig zu beantworten. Nein, natürlich kann der Papst das nicht. Die Kirche denkt ja nicht in Jahren, sondern in Jahrhunderten. Und man kann auch nicht das ganze Führungspersonal auf einmal entlassen, wohl wissend, dass das die einzige Methode wäre, um den Augiasstall Vatikan auszumisten und den mächtigen Geheimbünden und Seilschaften dort das Handwerk zu legen, die ihre eigene Gerichtsbarkeit bei gleichzeitiger Selbstkontrolle exekutieren. Es bedürfte nur einiger tapferer Staatsanwälte, Richter und einiger Hochsicherheitsgefängnisse. Aber für ein System, das 2000 Jahre so spielend überstanden hat, sollte das bisschen Missbrauch, das bekannt wurde, nun wirklich kein Grund zur Aufregung sein. Das einzige, was die wirklich fürchten, ist der Verlust von Geld und Macht. Das müssten nur ein paar Millionen Gläubige erkennen und nach dem Vorbild der Ostdeutschen handeln und unmissverständlich skandieren: Wir sind die Kirche.

Georg Igl

Gars

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