Bigotte Doppelmoral

von Redaktion

Zum Bericht „Das beschämende Dunkelfeld“ (Politikteil) und zu „Abtreibung ein Verbrechen“ (Leserbrief):

Schon seit Jahren fällt mir auf, dass immer wieder Männer sich des Themas Abtreibung annehmen. Es wäre aber auch mal gut, wenn sie nachdenken würden, warum aus ihren Reihen so viele Sexualverbrecher und Alimente-Verweigerer hervortreten. Kennen die Herren die Historie der unehelichen Kinder in unserer christlichen Gesellschaft? Eine uneheliche Geburt galt als Makel für die ganze Familie. Uneheliche Kinder waren geächtet. Sie wurden als Bastard oder Hurenkind beschimpft. Es gab die größten Vorurteile ihnen gegenüber. Uneheliche Kinder und Findelkinder waren bis ins 19. Jahrhundert von Handwerksbetrieben ausgeschlossen. Die katholische Kirche schloss unehelich geborene Männer von allen Ämtern aus, weil sie eine fleischgewordene Sünde gewesen sein sollen. Unehelichkeit wurde als Gefährdung der bürgerlichen Familie, als Bedrohung der Gesellschaft angesehen. Viele Priester verweigerten die Absolution für Zeuger eines unehelichen Kindes. Es war und ist eine unverantwortliche Doppelmoral einer bigotten Gesellschaft. Der außerordentlichen Notsituation, in der sich diese Frauen befinden, wird hochmütig keine Beachtung geschenkt. Keinem steht es zu, vom hohen Rosse über andere zu urteilen. Aber die Abtreibungsgegner könnten helfen und auch wieder gutmachen, was in der christlichen Vergangenheit verbrochen wurde. Etwa damit, in den Beratungsstellen eine Adresse zu hinterlassen mit der Auflage: Eine Schwangere kann sich hier melden und wird in allen finanziellen und anderen Lebensbedingungen bis zu 20 Jahre unterstützt, da sind die Kinder aus dem Gröbsten raus. Bei so vielen Abtreibungsgegnern käme einiges zustanden.

Frieda Baumann

Nußdorf

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