Verständnis für Ziele

von Redaktion

Zu „Zweierlei Maß“ (Leserbrief):

Herr Smeets mokiert sich darüber, dass die Medien angeblich bei der Bewertung von linker und rechter Gewalt zweierlei Maß anlegen und wohlwollend über die Aktivisten im Hambacher Forst berichten. Die Medien zeigen allerdings Verständnis für die Ziele dieser Aktivisten, nicht für die Anwendung von Gewalt, die natürlich auch hier abzulehnen ist. Die Protestierer im Hambacher Forst wenden sich dagegen, dass der Rest eines Ökosystems für den Abbau von Braunkohle, des klimaschädlichsten Energieträgers, geopfert wird. Wissenschaftler sind sich einig, dass die Braunkohle für den deutschen Strombedarf langfristig nicht benötigt wird und deshalb auf die Rodung verzichtet werden könnte. Schon jetzt exportiert Deutschland neun Prozent seines Stromes in die Nachbarländer. Der Widerstand der Aktivisten ist also, wenn er gewaltfrei verläuft, für jeden verantwortungsvollen Bürger nachvollziehbar. In Chemnitz aber wurde Gewalt angewendet, um generell gegen Ausländer zu hetzen, es gab laut Polizeibericht Vermummte, die mit Steinen bewaffnet Ausländer suchten und ein jüdisches Restaurant überfielen (Hetzjagden!). Es wurden vom harten Kern einschlägige rechte Parolen gegrölt und wiederholt der Hitlergruß gezeigt. Und warum? Weil vermutlich Ausländer einen Deutsch-Kubaner getötet hatten, der zu Lebzeiten aufgrund seiner Hautfarbe wohl gut daran getan hätte, den Leuten aus dem Weg zu gehen, die jetzt seinen Tod für ihre üble Stimmungsmache missbrauchen. Übrigens: Wer Wert darauf legt, bei seinem Protest als angeblich besorgter Bürger mit den Rechtsaußen nicht in einen Topf geworfen zu werden, sollte auch nicht alle Ausländer für die Straftaten einiger weniger verantwortlich machen!

Bernward Schmidt

Prutting

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