Zum Bericht „Papst: Abtreibung wie Auftragsmord Rom“ (Titelseite):
Das Statement des Papstes zum Thema Abtreibung fand ich großartig. Endlich mal ein „Prominenter“, der es wagt, sich dazu zu äußern. Abtreibung ist weder ethisch noch christlich zu begründen, Ausnahme: medizinische Indikation wegen Krankheit oder Lebensgefahr bei der Mutter. Das sage ich als Mutter von fünf Kindern, eines davon geistig behindert und fünf Enkelkindern samt Urenkel. 1961 kam ich von der DDR in die BRD. Acht Monate später wurde ich von meinem Verlobten schwanger, lebte allein in einem möblierten Zimmer, hatte nichts, aber einen Arbeitsplatz. Leichtsinn, da schwanger zu werden, würde wohl jeder sagen. Es war nicht beabsichtigt, aber wir freuten uns auf unser Kind. Hilfen gab es keine. Unser Sohn und wir als dann verheiratete Eltern lebten erst in einem möblierten Zimmer. Danach besserten sich unsere Verhältnisse. Heute haben werdende Mütter jede Hilfe des Staates. Nach dem UN-Bevölkerungsfonds werden weltweit jede Minute 380 Frauen schwanger, von denen 100 Frauen abtreiben, also rund jede vierte Schwangerschaft wird durch Abtreibung beendet. Soll es so viele Notfälle geben und weit und breit keine Verhütungsmöglichkeit? Auf wen in unserem Leben hätten wir gern verzichtet, weil die Mutter das werdende Leben getötet hat? Auf unseren Ehepartner, die beste Freundin, den Arzt, der uns gerettet hat oder die netten Nachbarn, die unser Leben bereichern? Was für wertvolle und kostbare Menschen werden in ihrer Entwicklung getötet, weil es, laut vieler Aussagen, gerade nicht in meine Lebensplanung passt? Mordet eine Mutter ihr achtjähriges Kind, kommt sie vor Gericht und wird verurteilt. Mordet eine Mutter ihr Kind in der zwölften Woche oder sogar noch später, hat jeder dafür Verständnis zu haben. Wo liegen unsere Werte?
Eve Seelig
Stephanskirchen
Der Papst hat in seinen Äußerungen über Abtreibung ein sehr hartes Wort verwendet, indem er von ‚Auftragsmord‘ gesprochen hat. Doch wenn wir die Tatsachen betrachten, dass ein Arzt beauftragt wird, ganz bewusst ein Kind im Mutterleib zu töten, müssen wir zugestehen, dass der Papst mit seiner Aussage recht hat, auch wenn wir es gerne anders nennen würden. Doch was verursacht die Not der Frauen, sich zu einer Abtreibung hinreißen zu lassen? Jeder Porno-Film ist Missbrauch an den Pornodarstellerinnen und Missbrauch an jenen Frauen, an denen sich die Männer, die durch Pornos angestaute Lust abreagieren. Wenn dann aus einer solchen nur lust-, aber nicht liebevollen Beziehung ein Kind entsteht, ist es nicht verwunderlich, wenn sich die Frauen nicht in der Lage sehen, diesem Kind die nötige Liebe entgegenzubringen, um es durch das Leben zu begleiten. Dann scheint Abtreibung die Lösung des Problems zu sein, wobei diese oft lebenslängliche seelische Probleme nach sich zieht. Um die Nöte der Frauen und den Missbrauch zu verringern, kann jeder seinen Beitrag leisten, indem er auf jede Form von Pornografie verzichtet.
Hildegard Sochatzy
Kirchdorf
Jetzt muss ich Papst Franziskus zu Hilfe eilen. Es war eine ganz andere Zeit, in der er aufgewachsen ist. In ihm ist noch die Angst- und Panik-Religion verankert. Abtreibung ist für ihn eine schwere Sünde. Als alter Mann kann er sich in die aussichtslose Lage einer Frau nicht hineindenken. Wie sollte er auch, wenn es in der Institution Katholische Kirche seit 1000 Jahren nur Männer gibt? Diese wären zwar auch nicht geboren, wenn Gott keine Frau erschaffen hätte. Ein Sprichwort sagt: „Willst du etwas sagen, sag es einem Mann. Willst du etwas tun, sag es einer Frau.“
Ilse Sixt
Oberpframmen
Nach unserem Grundgesetz ist das ungeborene Leben genauso geschützt wie unser Leben. Daher finde ich es eine leichtsinnige Äußerung, wenn man nur von einer Schwangerschaftsunterbrechung spricht. Ich bin davon überzeugt, dass bei den meisten Fällen die Frauen, die sich für einen solchen Schritt entscheiden, mit seelischen Konflikten zu kämpfen haben und allein gelassen werden. Es braucht eine überzeugende Konfliktberatung, in der klar zum Ausdruck gebracht wird, dass unser Sozialstaat so ausgestattet ist, dass man aus finanziellen Gründen ein ungeborenes Kind nicht töten braucht. Bei jeder sexuellen Verbindung kann trotz Verhütungsmittel Leben entstehen, was man dann, weil es einem nicht passt, „wegmachen“ kann. So ein verantwortungsloses Handeln passt nicht in unsere Gesellschaft. Wie weit hier das Wort Auftragsmord vom Papst angebracht ist, muss man jedem Bürger selbst überlassen. Der Papst hat mit der Art seiner robusten Ausdrucksweise einiges ins Rollen gebracht. Jedoch nehme ich mit Befremden auf, dass er im Fall der Abtreibung das Wort Exkommunikation verwendet und auf diese Weise die Barmherzigkeit Gottes durch die Verweigerung des Bußsakraments in Frage stellt; weiter noch für Geschiedene den Kommunion-Empfang nicht ausweiten will. Wo sollen sich die Gläubigen bei seelischen Belastungen dann hinwenden, um Beistand zu finden? Exkommunikation ist bestimmt nicht der richtige Weg. Da braucht man sich nicht wundern, wenn die Kirchenbänke immer leerer werden. Wie heißt es doch in einem Kirchengebet: Kommt alle zu mir, die Ihr mühselig und beladen seid, ich will Euch Erquicken.
Josef Fenninger sen.
Weibhausen
Papst Franziskus hat wieder gesprochen: Auftragsmord nennt er Abtreibung. Und schnell hat Claudia Möllers einige „Erschrockene“ und „Empörte“ beisammen: Glück, Spangler, Schießler, Tremmel. Dabei tut Franziskus nichts anderes, als vielfacher Forderung zu entsprechen, das Evangelium zeitgemäß zu verkünden. Dass nämlich Abtreibung in der Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes“ des 2. Vatikanischen Konzils als „verabscheuungswürdiges Verbrechen“ bezeichnet wird, scheint bereits in Vergessenheit geraten zu sein. Also muss es in einer Sprache formuliert werden, die die Menge der Krimi-Zuschauer sofort versteht. Im fünften Gebot sagt Gott lapidar: „Du sollst nicht töten.“ Es ist kein Zusatz bekannt: „Aber ich gestehe einige Ausnahmen zu.“ Die Doppelmoral des „Aber“ ist in Möllers Artikel dreimal zu finden. Jesus sagt denen, die vor seinem Richterstuhl mit „Herr, Herr“ Entschuldigungen vorbringen und viel Verständnis erwarten, sehr deutlich: „Hinweg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes“. Auf Abtreibung ist auch jener Ausspruch Jesu in seiner Gerichtsrede beziehbar: „Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.“ Papst Franziskus schließt seine Aussagen, in denen er besonders zu Solidarität mit Eltern behinderter Kinder aufruft, mit den Worten: „Jedes Leben ist wert angenommen zu werden, weil jeder Mensch das Blut Christi selbst wert ist.“ Und wer erinnert sich nicht an die oft zitierten Worte, die Papst Benedikt XVI. bei seinem Amtsantritt sprach: „Jeder von uns ist Frucht eines Gedankens Gottes. Jeder ist gewollt, jeder ist geliebt, jeder ist gebraucht.“
Armin Rieble
Stephanskirchen