Zum Bericht „Welche Rolle hat Deutschland?“ auf der Seite „Wirtschaft in der Region“:
„Preisgekrönt, aber auch umstritten“, unter dieser Überschrift berichteten die OVB-Heimatzeitungen über den Vortrag von Professor Hans-Werner Sinn beim Meggle-Gründerpreis im Wasserburger Rathaus. Erwähnt wurden unter anderem die Target-Schulden, die Migration und der Brexit. Target, das Buchungssystem zwischen der Europäischen Zentralbank und den Zentralbanken der Euro-Länder, bildet Guthaben und Verbindlichkeiten der Länder ab. Guthaben und Verbindlichkeiten müssten eigentlich von Zeit zu Zeit ausgeglichen werden. Doch das ist nicht der Fall. Das deutsche Guthaben beträgt mittlerweile 700 Milliarden Euro, das ist ein zinsloser Kredit mit undefinierter Laufzeit, an sich ein unhaltbarer Zustand. In Griechenland oder Italien wird das natürlich anders gesehen. Umstritten? Wenn in Deutschland höhere Löhne bezahlt werden als in anderen Staaten inner- oder außerhalb Europas, so erzeugt dieses Gefälle einen Anreiz, den Arbeitsplatz zu wechseln. Dies wird dem Austausch von Gütern gleichgestellt. Dieser Austausch regelt sich automatisch, sobald sich Preise und Löhne ändern, nicht jedoch, wenn staatliche Transfers dies verhindern, zumal die staatliche Sozialhilfe häufig höher ist als die Arbeitseinkommen in den Herkunftsländern. Die ungebremste Zuwanderung war auch ein wesentlicher Grund für den Ausgang der Volksabstimmung in Großbritannien. Für Deutschland ist der Austritt nachteilig, weil die Mehrheitsverhältnisse in der EU sich so verändern, dass die Nordländer ihre Sperrminorität in der EU verlieren und so von den Südländern überstimmt werden können. Target, Migration, Brexit: drei Positionen, die unangenehm sind, aber umstritten, da müssten schon Gegenargumente gebracht werden.
Dr. Heinz Brecht
Söchtenau