Geschichtsvergessen: Söder ignoriert Eisner

von Redaktion

Zu den Berichten „Geschichtsstunde bei der CSU“ (Blickpunkt-Seite) und „Kurt Eisners Enkel“ (Bayernteil):

Die Geschichte beweist, dass es Kurt Eisner war, der im November die Revolution anführte, die Demokratie einläutete und damit die über 700 Jahre alte Monarchie abschaffte. Nicht oft genug kann erwähnt werden, dass er dies vollkommen unblutig und friedlich zu Stande brachte. Und was tat unsere bayerische Regierung, stellvertretend Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, nun bei der Gedenkfeier in der Staatsoper in München? Er nannte in seiner Festrede nicht einmal den Namen Kurt Eisners. Das ist für meine Begriffe ein schlimmer Skandal! Auch hatten es die Organisatoren nicht für nötig befunden, die noch lebenden Enkel Eisners einzuladen. Im Gegenteil, alle Angehörigen der Familie Eisner wurden bis in die 70er-Jahre per Post bedroht, mit Stillschweigen übergangen, unser Idealist fast als Verbrecher abgestempelt! Am 21. Februar 1919 wurde Eisner als Ministerpräsident auf offener Straße in München erschossen. Er war ein aufrichtiger Mann mit ehrlichen Absichten, der den unsäglichen Krieg endlich beenden und der Monarchie den Garaus machen wollte. Als „Dank“ kam ein nationalistischer Offizier und gab zwei tödliche Schüsse auf ihn ab. Der Täter kam nach kurzer Haft wieder frei und wurde als „Held“ gefeiert. Dass die Soldaten- und Arbeiter-Räte eine wirklich sichere Demokratie nicht lange halten konnten, war leider klar. Zum Regieren fehlte es am Geld, an der Ordnung, am Zusammenhalt der beteiligten Personen und Volksparteien. Das Resultat: Die Uneinigkeit, Unentschlossenheit der bürgerlichen Parteien wurde 1933 abrupt beendet. Wo und wie das endete, wissen wir alle. Mein Vater und auch mein Schwiegervater lernten als SPDler das KZ Dachau von innen kennen, weil sie das Maul nicht halten wollten. Darum meine Devise: „Wehret den Anfängen“, stellt Euch gegen die ewig Gestrigen mit allen legalen Mitteln. Es lohnt sich auf jeden Fall.

Heinz Schwarzmüller

Bruckmühl

Es kann ja sein, dass die Vielzahl der zurzeit anstehenden Jubiläen unseren Ministerpräsidenten oder vielleicht dessen Redenschreiber etwas überfordern. Trotzdem traut man seinen Ohren kaum, als beim nochmaligen Anhören – man könnte ja etwas überhört haben – der Festtagsrede „100 Jahre Freistaat Bayern“ von Markus Söder in München zu konstatieren ist, dass der Name der ersten Ministerpräsidenten Bayerns, Kurt Eisner, nicht ein einziges Mal fällt. Ein Affront nicht nur gegenüber Bayerns Bürger, sondern auch gegenüber allen Historikern und vor allem Geschichtslehrern, die ihren Schülern die historischen Geschehnisse vermitteln sollen, die zur Gründung des Freistaats Bayern führten. Wie kann man nur so geschichtslos sein, die Worte Kurt Eisners „Bayern ist fortan ein Freistaat“ in der Nacht vom 7. auf den 8. November 1918 bewusst zu ignorieren? Vermutlich aufgrund der Tatsache, dass der erste Ministerpräsident Bayerns ein „Sozi“ war. Die CSU hat sich schon immer schwer getan mit dem Gedenken an Kurt Eisner, wenn man an das jahrelange Hickhack anlässlich des Aufstellens von Denkmälern zur Erinnerung an ihn denkt. Ich empfehle Söder einen Spaziergang zum Oberanger in München, wo das Denkmal mit seinem Zitat „Jedes Menschenleben soll heilig sein“ steht. Einer Erwähnung wert gewesen wären doch die nicht wegzuleugnenden Verdienste Kurt Eisners, wenn man beispielsweise an die Einführung des Acht-Stunden-Tags, des Frauenwahlrechts oder an die Aufhebung der geistlichen Schulaufsicht denkt. Als hohes Ziel strebte der ausgewiesene Pazifist eine Politik der Völkerverständigung an. Wie dem Artikel zu entnehmen ist, hielt es die Staatsregierung nicht für angemessen, die Nachfahren Kurt Eisners zu dem Staatsakt einzuladen. Welch ein Mangel an Souveränität!

Gert Hilger

Waldkraiburg

Mir geht es nicht um die objektiv richtigen Fakten – sie sind von den OVB-Heimatzeitungen dankenswert berichtet. Es ist aber „aufstehen“ gefordert, wenn bei der Gedenkveranstaltung die Nachkommen von Kurt Eisner draußen bleiben und der Vergleich, was sonst geschehen wäre, zur Sowjetrepublik gezogen wird – wie gehabt, Kampf den Sozis? Das erinnert mich an Vokabeln von Franz Josef Strauß, der sozial engagierte Bürger als „Schmeißfliegen“ abwertete. Bei solchen Vorbildern möchte man im Gegensatz zu all den wohltuenden Bayern kein Bayer sein.

Hans-Jürgen Ehlers

Rosenheim

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