Italien zweifelt am Tunnel

von Redaktion

Zum Artikel „Tunnel-Pläne als Träumerei abgetan“ (Regionalteil):

Der Begriff vom „Hinterherhinken“ Deutschlands hinsichtlich der Brennerzulaufstrecken ist unzutreffend und tendenziös. Auch auf italienischer Seite steht der Trassenverlauf großenteils noch nicht fest. Zwei italienische Minister forderten jüngst aus Kostengründen die Einstellung der Bauarbeiten am Brenner-Basistunnel. Wie und wann soll Italien da zusätzlich 15 Milliarden für den Südzulauf stemmen? Laut der 2012 unterzeichneten Vereinbarung über die koordinierten Planungen zum Ausbau der grenzüberschreitenden Schienenverbindung sollen die Verkehrsprognosen alle fünf Jahre aktualisiert sowie Bedarf und Wirtschaftlichkeit des Ausbaus überprüft werden. Auf Anfrage der Grünen offenbarte die Bundesregierung jetzt, in den letzten Jahren sei es auf der Strecke München-Rosenheim-Kufstein zu keinen Trassenkonflikten gekommen, die freie Kapazität betrage 20 Trassen (Züge) je Richtung. Die Fertigstellung des Brennerbasistunnels wird für 2030 unterstellt, bei Blockverdichtung und längeren Zügen wird für diesen Zeitpunkt aber nur eine Streckenauslastung von 70 Prozent prognostiziert. Folglich gibt es für eine Neubaustrecke keinen Bedarf, schon gar keinen vordringlichen, wie der Bundesverkehrswegeplan suggeriert. Auf Antrag des EU-Parlaments hat der EU-Rechnungshof nun angekündigt, wegen massiver Bedenken Deutschlands bis Ende 2019 einen Bericht vorzulegen, ob die von Österreich geschlossenen Abkommen mit Deutschland und Italien zum Streckenausbau München – Verona Verbindlichkeit und Relevanz haben. Apropos Wirtschaftlichkeit: Die DB wählt nach eigener Aussage (sicher auch das erforderliche Nutzen-Kostenverhältnis im Blick) die wirtschaftlichste Strecke; also werden Tunnel, die nicht geländebedingt notwendig sind, aus bayerischen Steuermitteln finanziert werden müssen!

Dr. Frieder Storandt

Neubeuern

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