Zum Interview „Manieren kommen wieder in Mode“ mit Alexander von Schönburg (Blickpunkt-Seite):
Sollte sich durch das Buch des Grafen und den Vorschlag, sich rebellisch gegen die jetzt vorherrschende Konvention (mit dem Motto „Höflichkeit ist eine Zier, doch weiter kommst du ohne ihr!“) zu wenden, wirklich etwas in der heutigen Ellenbogengesellschaft ändern und durch „Benimm ist wieder in“ ersetzt werden, wäre das mehr als wünschenswert. In einer Gesellschaft, in der das schnell erwirtschaftete oder auf welche Weise auch immer erworbene „Große Geld“ mehr als Anstand und traditionelle Werte zählt, verfallen zusehends die guten Sitten. Höflichkeit und Respekt im Umgang mit seinen Mitmenschen wird oft vermisst. Und nicht überall ist der Kunde noch König. Hohe Bildung und Ausbildung sollten in unserer Zeit jedem Normalbürger zugänglich sein, so dass Führungspositionen in Wirtschaft und Politik nicht mehr von der Gesellschaftsschicht, in die man hineingeboren wurde, abhängig sind. Sollte man sich nicht ganz sicher sein, wie man sich in Gesellschaft bewegt oder sich bei offiziellen Anlässen bei Tisch richtig benimmt, kann man die Umgangsformen ohne die alte Verbissenheit in Kursen erlernen. Aber auch die Globalisierung fordert, dass man sich mit den Gepflogenheiten, Sitten und Gebräuchen fremdländischer Mitmenschen vertraut macht und ihnen somit den gebotenen Respekt entgegen bringt. Ist China womöglich auch in dieser Hinsicht Vorreiter? Meine Freundin, „Benimmgräfin“ Amélie von Montgelas, wurde schon von einer Schule in China gebucht und konnte vor Ort den Schülern europäische Umgangsformen näherbringen. Man möchte es nicht glauben, aber sie hatte inzwischen schon einen jungen Mann aus China zum Schüler, der den weiten Weg angeflogen kam um von ihr „Benimm“ zu lernen. Also auf zur „Kunst des lässigen Anstands“!
Margitta Schömmer
Bad Endorf