Zum Artikel „Das Aus für die Lindenstraße“ (Titelseite):
Das Aus der Serie „Lindenstraße“ provoziert grundsätzliche Fragen über die Besetzung der Entscheidungsgremien im öffentlichen-rechtlichen Fernsehen. Denn es lassen sich Programmtrends beobachten, die nahelegen, dass die Verantwortlichen den Programmauftrag ihrer Sender nicht als Informations- und Bildungsauftrag verstehen, sondern zunehmend als Verblödungs- und Gewaltverherrlichungsauftrag. Der Vorwurf richtet sich sowohl an die ARD wie an das ZDF. Durchschnittlich dreimal in der Woche Fußball dient vor allem dem internationalen mafiösen Fußballgeschäft. Auch die tägliche Krimiflut auf beiden öffentlich-rechtlichen Sendern, erfüllt weder den Informations-, noch den Bildungsauftrag. Die Sendeplätze für Dokumentationen, von denen es ein vielfältiges und hochwertiges Angebot gibt, wurden fast auf Null reduziert. Besonders alarmierend finde ich dies, weil gleichzeitig in Krimis in den letzten Wochen, zumindest in dreien, die ich gesehen habe, Selbstjustiz propagiert wird: Frau Berben darf als „Protokollantin“ nicht nur den Mörder ihrer Tochter zu Strecke bringen, sondern als gramgebeugte Mutter sogar noch Auftragsmorde für Männer erteilen, die ihrer Meinung nach von unserer Justiz nicht „richtig“ bestraft wurden. Beim „Treibjagd“-Tatort vom letzten Sonntag schafft die Dramaturgie der Geschichte von eine Anklage der Selbstjustiz am Ende doch noch den Zuschauern die Schlussfolgerung nahezulegen: Hätte der „besorgte Bürger“ die kleine „Einbrecher-Schlampe“ doch umgebracht, wäre er noch am Leben und seine Witwe müsste im Abschlussbild nicht weinend am Fenster stehen. Freuen können sich über diese Programmtendenzen nur bestimmte Leute – und die erheben als AfD seit einigen Jahren ihre Stimme schon sehr laut in diese Richtung. Ach ja, die „Lindenstraße“ muss eingestellt werden, weil sie „zu teuer“ ist!
Dagmar Schön
München