Zurück zur Beamten-Bahn

von Redaktion

Zum Bericht „Bahnstreik erwischt Bayern kalt“ (Titelseite):

Großes Heulen und Zähneklappern weil die Bahn streikt und obwohl es am Sonntag bereits angekündigt war, waren viele überrascht und monieren die Desinformation. Ein Notprogramm hätte eingerichtet werden sollen. Ich sehe darin keine Notsituation, wenn man an seinem Heimatort am Bahnsteig steht und kein Zug kommt. Umgekehrt würde ein Schuh daraus, wenn man vom Arbeitsplatz nicht nach Hause kommt, um etwa das Kind vom Hort zu holen, obwohl kein Hort ein Kind einfach auf die Straße setzt. Diesmal hat es sich gezeigt, wie es sich auswirkt, wenn nicht nur Lokführer, sondern auch Fahrdienstleiter den Dienst verweigern. Auch nicht streikende Eisenbahnverkehrsunternehmen können nicht fahren, wenn auch nur ein Stellwerk auf der Strecke nicht besetzt ist. Diese Tatsache scheint denen, die an den Hebeln sitzen, offensichtlich nicht bewusst zu sein. Bei der Bundesbahn, also vor 1995, waren sowohl Lokführer als auch Fahrdienstleiter verbeamtet, sodass so ein Streik bei Weitem nicht solche Folgen nach sich zog. Man hat die italienischen Staatsbahnen belächelt, weil die fast jedes Wochenende streikten und sich bei uns die Güterzüge stauten. Heute wird andersrum gelacht. Ein Infrastrukturunternehmen wie die Deutsche Bahn Netz AG müsste wieder verstaatlicht und das für den Betrieb zwingend notwendige Personal verbeamtet werden. Ansonsten steuern wir auf noch ganz andere Situationen zu und die Streikenden haben eine große Macht, um ihre Forderungen durchzusetzen. Sollten hier aber wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen, wird der Schuss nach hinten losgehen.

Werner Gmeiner

Kolbermoor

Man kann es kaum glauben, aber sogar die Bundesregierung (die ja schon etliche ausgediente Politiker in die Führung des Bahnkonzerns umgelagert hat), hat die Übelstände bei der Bahn zur Kenntnis genommen und will natürlich in kürzester Zeit Abhilfe schaffen. Nun ist der Bahnreisende einigen Kummer gewöhnt, Millionen Pendler und andere Reisende wurden beim Streik für einen ganzen Tag auf dem Bahnsteig stehen gelassen. Immer wieder kommt es zu Ausfällen von Zügen, „weil kein Personal zur Verfügung steht“. Komplett- und Teilsperrungen von Strecken wegen notwendiger und unaufschiebbarer Reparaturen/Verbesserungen sind auch in Hauptreisezeiten nicht gerade selten. Für den „Umbau“ ist es vielleicht zielführend, sich an jene Zeiten zu erinnern, „wo alles schlechter war“. Der Schreiber dieser Zeilen, Jahrgang 1934, ist in einer Eisenbahnerfamilie aufgewachsen. Der Opa, Dampflokführer, hatte einen Sechs-Tage-Dienstplan. Und in diesem Turnus hatte er auch Zeiten der „Bereitschaft“. Da saß er im Bahnbetriebswerk mit seinem Heizer, die Dampflok stand fahrbereit – es hätte ja irgendwo einen Einsatz erfordern können. Die Vorstellung einer solchen Personalreserve bringt heutzutage jedem Einsatzplaner sofortige Schnappatmung – das kostet doch! Weichensteller, Rangierer, Schrankenwärter, Streckenläufer, Schaffner, Heizer, Lokführer, Präsident – eines hat sie alle verbunden: sie waren Eisenbahner (verbeamtet). Das Berufsethos für sie alle lautete: Wir müssen fahren. Den Begriff „Streik“ gab es für sie einfach nicht. Daseinsvorsorge umfasst die Sicherung des öffentlichen Zugangs zu existenziellen Gütern und Leistungen entsprechend den Bedürfnissen der Bürger. Dazu gehört auch insbesondere die Bahn. Sie kann doch nicht nur ein privates Unternehmen mit größtmöglichem Gewinnstreben sein. Gebt uns unsere pflichtbewusste Beamtenbahn wieder – zum Wohl der Bürger!

Hans Daxer

Marquartstein

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