Nach Scheuer-Besuch: Streit um Zulaufstrecke geht weiter

von Redaktion

Zum Bericht „Rote Karten von den Rotwesten“ (Regionalteil):

Wir wohnen rund 50 Meter entfernt von der jetzigen Bahnlinie Rosenheim-Kufstein und sind somit selbst vom Bahnverkehr betroffen. Trotzdem freuen wir uns über jeden Lkw-Auflieger oder Container, die mit Güterzügen transportiert werden. Es müssten sehr viel mehr sein, um die Flut an Lastwagen auf der Autobahn zu reduzieren. Unabhängig von jeder Verkehrsprognose für die kommenden Jahrzehnte wird es nicht weniger Güterverkehr, sondern eher mehr werden. Also muss eine leistungsfähige Bahnverbindung her, die zudem die Reisezeiten für Personenzüge auf der Nord-Süd-Strecke verkürzt. Nicht verstehen kann ich die vielen Initiativen gegen diese Planung für ein ökologisches und effizientes Transportsystem. Viele der Bürgerinitiativen kommen aus Gemeinden, die so weit von den geplanten Streckenvarianten entfernt sind, dass sie später ein gutes Fernglas brauchen werden, um zu sehen, ob ein Zug auf einer Neubautrasse fährt. Wenn diese Neubaugegner jetzt vorschlagen, die bestehende Strecke „aufzurüsten“, um eine noch größere Zugdichte zu bewältigen, wenden sie sich gegen alle Anlieger an der Bestandsstrecke, die schon viele Jahrzehnte mit Lärm und Erschütterungen von der Bahnlinie leben und künftig noch mehr Verkehr ertragen sollen. Besser kann man das Sankt-Florians-Prinzip nicht beschreiben. Wenn einer gar die Baustelle für eine Neubautrasse als „größte Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg für den Landkreis“ bezeichnet, hat er jegliches Niveau an Sachlichkeit verlassen. Es würde den Anliegern der Bestandsstrecke viel helfen, wenn die Bahn die längst versprochenen Schallschutzwände ergänzen, die Graugussbremsen zügiger durch Flüsterbremsen ersetzen und die Güterwagenflotte insgesamt modernisieren würde, damit die Lärmentwicklung erträglicher wird. Dazu fehlt mir aber das Bekenntnis der DB zu einem modernen Güterverkehr.

Prof. Dr. Werner Mäntele

Kiefersfelden

Demokratie gelingt nur, wenn gegenseitig sachliche Argumente dargelegt, diskutiert und anerkannt werden. Die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig schürt nun gleich das Feuer gegen die Deutsche Bahn, was ich als völlig unnötig empfinde. Meines Wissens hat das Bundesverkehrsministerium der Deutschen Bahn einen Planungsauftrag zur Variantenfindung erteilt, somit sitzt der Auftraggeber im politischen Berlin. Darüber hinaus ist es alleinige Aufgabe des Bundesverkehrsministeriums, erstens sich um einen eventuellen Ausbau der Bestandsstrecke zu kümmern, zweitens Zugzahlen und Relationen in Jahresscheiben zu ermitteln und drittens, wenn die ermittelten Zugzahlen auf dem Bestandsnetz nicht abfahrbar sein sollten, den Bedarf und hierzu auch die Relation für zusätzliche Gleise zu ermitteln. Erst am Montag hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer Zahlen aus Szenarienstudien vorgelegt. Die Deutsche Bahn konnte auch dazu in den letzten Jahren keine Antworten zuliefern, weil das Verkehrsministerium erst jetzt seine Hausaufgaben erfüllt hat. Eine mögliche Trassenfindung im Inntal wird durch zwei weitere Komponenten schwierig. Erstens treibt die Stadt Rosenheim mit der Forderung, unbedingt an das Hochleistungsnetz angeschlossen sein zu wollen, die Neutrassierung bewusst ins Inntal. Zweitens haben über 20 Jahre Untätigkeit des Bundesverkehrsministeriums dazu geführt, dass die Österreicher den viergleisigen Ausbau Innsbruck – Wörgl – Kufstein durchführen, und das Nordportal des Brennerbasistunnels sinnbildlich vor Kiefersfelden positionieren. Legt man ein Lineal auf die Landkarte zwischen München und Innsbruck, wird sofort sichtbar, dass der kürzeste Weg nicht über das Inntal, sondern über das Oberland und durch das Karwendelgebirge führt.

Franz Fürle

Brannenburg

Bundesverkehrsminister Scheuer spricht von Szenarien, demzufolge man im Jahr 2050 bis zu 511 Züge täglich habe. Das entspricht einer Steigerung von rund 170 Prozent (!) zu den aktuell rund 190 Zügen. Was soll denn bitte transportiert werden in den vielen zusätzlichen Zügen? Rechnet man damit, dass sich die Bevölkerung Nord- und Mitteleuropas mehr als verdoppelt? Sollen die Importe vervielfacht werden? Sollen doppelt so viele Personen befördert werden? Ich stehe vor einem Rätsel und warte gespannt auf logische Erklärungen.

Elisabeth Wallner

Rosenheim