Streit ums Tempolimit

von Redaktion

Zum Bericht „Experten schlagen Tempolimit vor“ (Titelseite), zum Kommentar „Überflüssige Diskussion“ und weiteren Berichten und Kommentaren (Politikteil):

Wieder einmal werden alle halbwegs denkbaren Argumente für eine Tempobegrenzung in die öffentliche Debatte geworfen: Klima, Sicherheit, Kapazitätsoptimierung der Straßen und anderes mehr. Wie üblich werden höhere Werte und Ziele zur Beschränkung der persönlichen Freiheit, immerhin eines Grundrechts, missbraucht. Zum Thema Sicherheit folgt dies der allein diskutierten Maxime „Es wird allen nur das erlaubt, was auch der Unfähigste mit Sicherheit beherrscht.“ Stattdessen könnte ja auch die Maxime „Teilhabe setzt einen Nachweis angemessener Fähigkeiten voraus“ angewandt werden. Das könnte bedeuten, dass diejenigen, welche nur langsamem Tempo gewachsen sind, nur in der Stadt oder im Umkreis auf Landstraßen fahren dürfen und ansonsten die Bahn nehmen sollen … das würde den CO2-Ausstoß übrigens auch vermindern, damit den Klimazielen helfen, die Verkehrsdichte auf Autobahnen und in der Folge die Unfallzahlen senken. Bei genauem Rechnen ist der gesamte Nutzeffekt möglicherweise größer als bei einem Tempolimit auf den wenigen frei befahrbaren Autobahnen. Zynisch? Nicht viel mehr als die Forderung nach einem generellen Tempolimit.

Dr. Karl Wieland Naumann

Mühldorf

Sehr geehrter Herr Deutschländer, vielen Dank für Ihren Beitrag. Sie sind in dieser Debatte der erste Journalist, der die furchtbaren Auffahrunfälle der Lkw erwähnt. Keiner ihrer Kollegen hat dieses gravierende Unfallproblem erwähnt, das durch technische Einrichtungen längst vermeidbar oder verminderbar wäre. Vollkommen ausgeblendet wird allgemein in dieser Diskussion auch, dass mangelnde Kontrollen und Sanktionen jedes Tempolimit in Deutschland wirkungslos machen. Nur eine Kontrolldichte wie in der Schweiz und Österreich sowie die Höhe der entsprechenden Strafen in diesen Ländern könnten hier etwas bewirken. Ich fahre häufig die Strecke Bernau-München (A8) und zurück – hier ist zwischen Bernau und Rosenheim ein Tempolimit von 120 km/h, bei Achenmühle in Richtung München von 100 km/h. Hier wird man munter ständig überholt, vor allem von Kfz mit ausländischen Kennzeichen, die auch gerne den gestreckten Mittelfinger zeigen, weil sie sich behindert fühlen, wenn man gerade einen Lkw mit „nur“ 120 km/h überholt. Auch bestehende Überholverbote für Lkw werden von diesen lässig missachtet. Hier mit Kontrollen anzusetzen, würde die Sicherheit auf unseren überregionalen Fernstraßen dramatisch erhöhen. Auf allen anderen Straßen gilt ohnehin seit Jahrzehnten ein Tempolimit.

Martin Theurer

Schleching

Es klingt so, als könnte man sich nach Herrn Prems Meinung Verkehrsschilder sparen, da ja Verrückte sich ohnehin nicht daran halten. Dann passt es ja, dass auf rund drei Viertel deutscher Autobahnkilometer „Freie Fahrt für freie Bürger“ gilt. Andererseits gibt es aber bereits viele Lebensbereiche, in denen solche (oft egoistisch definierte) Freiheit eingeschränkt ist! Und wir halten uns ohne Weiteres daran (beispielsweise Rauchverbote)! Die Freiheit des Einzelnen endet bekanntlich stets dort, wo die Freiheit anderer unberechtigterweise begrenzt wird! Werfen wir also einen Blick auf Vorteile eines Tempolimits, ohne gleich abschätzig zu behaupten, dass für die Umwelt dadurch „wenig zu gewinnen“ sei! Unbestreitbar ist, dass man bei geringerem Tempo im höheren Gang Sprit spart und so weniger CO2 in die Luft bläst. Weniger und gleichmäßigeres Tempo führt auch zu weniger Staus mit folglich weniger Abgasen. In Österreich habe ich das gleichmäßige und entspannende Fahren auf der Inntalautobahn (oft sogar nur Tempo 100) schon öfter erlebt – und alle halten sich daran, sogar Deutsche! Was die Zahl und Schwere der Unfälle angeht, so nimmt diese bei sinkender Geschwindigkeit ab. Auf Strecken ohne Limit nimmt dagegen bei mehreren Spuren mit teils deutlich verschiedenen Geschwindigkeiten das Unfallrisiko zu, ebenso wie auch die Zahl dort tödlich Verunglückter. Andererseits fahren die meisten Lkw beispielsweise auf der B12 und der B15 (nach meiner eigenen Erfahrung) keineswegs 60 km/h, sondern 80 km/h. Und bis autonomes Fahren einen überhaupt nennenswerten Anteil im Alltag ausmacht, wird noch viel Wasser den Inn hinablaufen! Ein Verkehrsminister Scheuer glaubt dagegen, Tempolimits als „gegen jeden Menschenverstand“ bezeichnen zu dürfen, während rund um Deutschland flächendeckend höchstens 130 km/h erlaubt sind. Leben dort lauter Narren? Wenigstens hat das OVB am 23. Januar einen Versuch unternommen, etwas seriösere Argumente bezüglich Tempolimits zu liefern als der Kommentar vom 22. Januar. Aber leider bekräftigt der Kommentar vom 28. Januar doch wieder alte Vorurteile.

Gerd Kirchner

Edling

Dem Kommentar von Herrn Prem zum Tempolimit 120 kann ich in keinem Punkt zustimmen. Denn man braucht keine Studie, um festzustellen: Tempo 120 braucht weniger Energie, hilft also der Umwelt und stärkt auch das Bewusstsein, dass ein Auto mit weniger PS mehr Prestige für den Fahrer bringt als kindliches Großgehabe mit unnötig großen Autos. Unfälle gehen bei geringerem Tempo zurück, was wiederum Energie spart, etwa für Kosten von Polizei, Krankenwagen, von all dem Leid für die Betroffenen und den Kosten für die Allgemeinheit gar nicht zu sprechen. Die Produktion und die Entsorgung größerer Autos zerstört wieder die Umwelt. Eben geht unsere Erde an zu viel Energieverbrauch – auch auf anderen Gebieten — zugrunde, und das Meer an zu viel Plastik. Auch jedes andere Konsumstück, das wir verbrauchen, ist schädlich: Wir maßen uns rücksichtslos zu viel an! Und das Tempolimit wäre so einfach einzuführen! Und da sind Sie noch dagegen? Sie werden doch nicht von der Autolobby bedrängt wie die Politiker? Sie sind doch frei!

Irmgard Miehle

Rosenheim

Ich zitiere die Verkehrsunfallstatistik Bayern 2017 (die Zahlen 2018 sind noch nicht veröffentlicht). „Auch 2017 ereigneten sich in Bayern die meisten tödlichen Verkehrsunfälle auf Landstraßen. 367 Menschen kamen dort ums Leben. Ebenso war überhöhte und nicht angepasste Geschwindigkeit die Hauptunfallursache für schwere Verkehrsunfälle. 183 und damit rund ein Drittel aller tödlichen Unfälle gingen auf das Konto von Rasern. Die Zahl der dabei getöteten Menschen erhöhte sich um 5,1 Prozent auf 226 Personen.“ Möge der gewogene Leser selbst entscheiden, ob angesichts dieser Zahlen eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Landstraßen und deren lückenlose Kontrolle sinnvoll sind. Es kann durchaus sein, dass der Leser – wie auch ich – zu einer anderen Bewertung als unser Verkehrsminister Herr Scheuer kommt. Er meinte ja zu diesem Thema: „Geschwindigkeitsbegrenzung sei gegen jeden Menschenverstand“. Mir fällt dazu nichts mehr ein. Außer unverantwortlich.

Reinhard Graser

Kraiburg

Endlich eine Kommission, die gesunden Menschenverstand einsetzt, um die Klimaziele zu erreichen. Tempolimits auf Autobahnen tragen spürbar zur Senkung der Emissionen bei, ganz nebenbei steigt die Sicherheit, denn die illegalen Autorennen ausländischer Fahrer werden unterbunden. Wenn die Steuersätze auf Benzin und Diesel angehoben werden, dann bitte gleich auf Kerosin ausweiten. Die Flugzeuge verbrauchen schließlich weit mehr Sprit als alle anderen Verkehrsmittel und bringen die Abgase plus abgelassenen Treibstoff gleich in die Atmosphäre. Und wenn ein innereuropäischer Flug billiger ist als alle anderen Verkehrsmittel, kann das nur an fehlgeleiteten Subventionen liegen. Das „Verkehrsministerium“ will die Umwelt wohl nach dem Motto „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“ schützen. Sie haben Angst vor der eigenen Courage und vor dem Verlust einiger Wählerstimmen, vor ADAC und Autolobby. Vielleicht sollte es in Automobilindustrieministerium umbenannt werden. Wer nach den Wetterkapriolen im vergangenen Jahr noch immer nicht begriffen hat, dass sofort auf allen Ebenen Verbesserungen erreicht werden müssen soll sich fragen, wie „enkeltauglich“ sein Lebensstil ist. Es wird nicht ohne Einschränkungen gehen, aber wir fangen auf hohem Niveau an. Weiterwurschteln wie bisher bedeutet mit Vollgas Richtung Klimakollaps. Dadurch werden viele Teile der Erde unbewohnbar durch Überflutung, Dürre oder Abschwemmung der fruchtbaren Erdkrume. Ich hoffe, dass die Politiker den Mut finden, konkrete Beschlüsse zum Klimaschutz zu fassen, statt sich weiterhin nur mit sich selbst zu beschäftigen.

Barbara Käsweber

Ramerberg

Die Schüler gehen auf die Straße, um für den Erhalt des Klimas zu demonstrieren. Wir Erwachsenen verfolgen den Trend, uns immer schwerere Autos zu kaufen. Wir genießen die Freiheit, mit zwei Tonnen Blech auf der Autobahn zu rasen, damit wir drei Autos weiter vorne im Stau stehen können oder auf dem Weg durch Deutschland die gewonnene Zeit mit einem zusätzlichen Tankstopp vernichten. In Physik haben wir gelernt: der Luftwiderstand ist bei 141 km/h doppelt so hoch wie bei 100 und bei 173 dreimal so hoch. Zudem verbraucht das permanente Beschleunigen und Abbremsen zusätzlich Energie und produziert Feinstaub. Der Verkehr mit Tempo 130 läuft flüssiger und entspannter. Der Mehrverbrauch und damit der Schadstoffausstoß durch hohe Geschwindigkeiten ist enorm, das kann niemand leugnen. Warum also sollten wir in der heutigen Zeit weiterhin auf „freie Fahrt“ pochen? Für mich ist das gegen jeden gesunden Menschenverstand.

Heinrich Göbl

Rosenheim

Ob einer mit 200 km/h oder mit 130 über die Bergkuppe rast, beide sind gleich dumm. Und die Geschwindigkeitsbegrenzung damit zu begründen, dass der Zweite vielleicht doch eher eine Überlebenschance hat, wäre zynisch. Die Erstursache des Unfalls ist in beiden Fällen die Dummheit des Fahrers. Diese ist unheilbar. Außerdem: Wenn schon 130, dann muss wohl auch die Autoindustrie drosseln, auf vielleicht 150 – für den Notfall. Die Chinesen würden sich daran gewöhnen. Aber: Die Lobby wird siegen, wie immer in unserem „Sozialstaat“.

Dori Waltz

Oberaudorf

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