Zum Bericht „Runter vom Gas für Bambi und Co.“ (Bayernteil):
Laut Zentralstelle für Straßensicherheit im Straßenbau sind im Jahr 2018 in Bayern über 76000 Wildunfälle passiert, das sind 2000 mehr als 2017. Bei drei von vier Fällen waren Rehe, Rot- und Damwild beteiligt. Da Dam- und Rotwild nur auf relativ kleiner Fläche vorkommen, kam es wegen der Rehe am weitaus häufigsten zu Unfällen. Als Ursachen werden immer wieder aufgezählt: nicht angepasste Geschwindigkeiten, erhöhtes Verkehrsaufkommen oder neue Straßen durch Waldgebiete. Über die Rehe selbst wird kaum diskutiert. Sie haben aber sehr große Bedeutung als Unfallverursacher: Noch nie gab es so viele Rehe in Bayern als derzeit. Maßstab sind die Abschusszahlen. In den Jagdjahren 2013/14 wurden in Bayern 305079 Rehe erlegt, im Jahr 2017/18 waren es schon 323721, eine Rekordzahl. Auffällig ist, dass die Unfälle häufig vor Sonnenauf- und nach Sonnenuntergang passieren, wenn die Rehe am aktivsten sind. Auch im Frühjahr und in der Brunftzeit im Juli sind die Rehe besonders aktiv. Auch dies sind Hauptunfallzeiten. Wildunfälle nehmen offenbar proportional zur Rehwilddichte zu. Wissenschaftlich nachgewiesen ist eine Zunahme des Risikos für Wildunfälle mit steigender Verbissbelastung in den Wäldern entlang der Straßen. Der Verbiss wird alle drei Jahre im Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung von der Forstverwaltung festgestellt. Starker Verbiss zeugt von hohen Rehwilddichten. Mit zunehmender Zahl von Rehen pro Quadratkilometer wird das Risiko von Wildunfällen, statistisch abgesichert, größer. Umgekehrt hat sich gezeigt, dass es auf Straßen durch Reviere, in denen der Rehwildbestand ausgedünnt wurde, kaum zu Wildunfällen kommt. Dort verjüngt sich der Wald kostenlos in seiner natürlichen Vielfalt. Auch sind die Rehe dort stärker, also schwerer und gesünder.
Dr. Klaus Thiele
Marquartstein