„Rettet die Bienen“ sorgt weiter für Unruhe

von Redaktion

Zur Berichterstattung über das Volksbegehren zur Erhaltung der Artenvielfalt (Bayern- und Regionalteil) und zu Leserbriefen:

Das Bürgerbegehren ist ein Frontalangriff auf die bayerische Landwirtschaft. Es werden Details einseitig und falsch dargestellt. Es gibt mehr Honigbienen-Völker und die Landwirtschaft ist über das Kulturlandschaftsprogramm sowie über den Vertragsnaturschutz stark im Artenschutz vertreten. Ich habe auch nichts davon gehört, dass im Steingarten nichts blühen kann. Es gäbe noch viel Positives über die Landwirtschaft und viel Negatives über unsere Wohlstandsgesellschaft zu sagen. Das Bürgerbegehren verlangt einseitig von der Landwirtschaft Leistungen, die schon lange erbracht werden. Die Initiatoren sollten sich sachlich mit der Angelegenheit auseinandersetzen und nicht populistisch Ängste in der Bevölkerung hervorrufen.

Adolf Madelechner

Mühldorf

Es hat mich gefreut, dass das OVB so ausführlich über den Bauerntag in der Inntalhalle berichtet hat. Einiges muss aber ergänzt werden. Nicht nur die anwesenden Politiker hatten sich gegen das Volksbegehren ausgesprochen, auch die Rosenheimer Kreisverbandsvorsitzende der Imker, Angela Sollinger. Ihr zufolge hatte die ÖDP bei der Ausarbeitung des Gesetzentwurfes mit der Landwirtschaft und mit den Imkern nie gesprochen. Selbst laut der viel zitierten Krefelder Studie zum Insektenrückgang sind die Ursachen hierfür zu komplex und die Hauptursache unbekannt! Dies wird jedoch von ÖDP, BN usw. verschwiegen, um der Landwirtschaft den Schwarzen Peter zuzuschieben! Immer wieder hört man, auch Bauern unterstützen das Volksbegehren, etwa die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL) Sie hat bundesweit etwa 1000 Mitglieder, der Bauernverband allein in Bayern über 145000. Die Zahl der Honigbienen hat nach einem vorherigen Rückgang seit 2008 zugenommen, von den oft angesprochenen 39 ausgestorbenen Wildbienenarten sind fünf Arten zwischen 1961 und 1974 und eine Art 2001 verschwunden, alle anderen sind vor 1960 ausgestorben (fünf davon vor 1900). Und da soll die in den letzten Jahrzehnten intensivierte Landwirtschaft am Artenrückgang schuld sein? Dies sind nur einige Punkte von vielen, die zeigen, wie unehrlich von den Initiatoren des Volksbegehrens die Diskussion auf dem Rücken der Landwirte geführt wird!

Max Gilg

Rott

Auch wenn das vom Bauernverband beschriebene Szenario eintreten würde – die Folgen für die Landwirtschaft und das Ökosystem wären katastrophaler, wenn die Vorgaben des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ nicht umgesetzt würden. Ein kleiner Vorgeschmack zeigt sich bei uns, wenn die Wetterlage während der Obstbaumblüte ungünstig ist. Dann fällt die Obsternte dürftig aus. Ohne Insekten gäbe es überhaupt kein Obst mehr. In den USA haben sie bereits jetzt Gebiete, in denen die Insekten dermaßen zurückgedrängt wurden, dass Pflanzen nicht mehr bestäubt werden. Wollen wir hier in Bayern ähnliche Gegebenheiten? Oder ist es den Saatgutkonzernen und dem Bauernverband gar recht, wenn die Insekten aussterben, damit sie eine Berechtigung für genmanipulierte Pflanzen haben (ohne Bestäubung durch Insekten). Die Einzigen, die durch das Volksbegehren Einbußen hinnehmen müssen, sind die Hersteller der Pflanzenschutzmittel und deren Aktionäre. Mich würde interessieren, mit welchen Konzernen der Bauernverband Verbindungen pflegt, und wie viel er an Spenden von diesen Konzernen erhält, damit die Bauern und die Bevölkerung hinters Licht geführt werden.

Sebastian Hamberger

Söllhuben

Seit 1990 kann man eine Konzentrierung der landwirtschaftlichen Betriebe feststellen. Die Folge bis jetzt: Viele Bauernfamilien mussten und müssen ihre Höfe aufgeben. Ausgelöst wurde dies durch eine Förderpolitik, die die größeren Betriebe bevorzugt. Je mehr Fläche ein Betrieb hat, umso mehr Förderung. Die eigentliche Aufgabe der Politik ist, ausgleichend zu fördern, wo ein Ungleichgewicht herrscht. Das heißt, die Förderung müsste so aussehen, dass Betriebe bis 50 Hektar die höchste Förderung bekommen bei zwei Arbeitskräften, und dies sehe ich bei 500 Euro konventionell und 750 Euro ökologisch. Ein 500 Hektar großer Betrieb bekommt ein Zehntel an Flächenprämie und benötigt hierzu zehn Arbeitskräfte, um die volle Förderung zu erhalten. Ab 501 Hektar darf gar keine Förderung mehr bezahlt werden. Kurzum: Die meiste Förderung bekommen Betriebe mit Hunderten und Tausenden an Hektar. An dieser Situation tragen maßgeblich der Bauernverband und die regierenden Parteien die Schuld. Ich glaube, 1997 wurde der Paragraf 35 Baugesetzgebung geändert unter Druck des Bauernverbandes und den Industrien. Es hieß, wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb im Außenbereich bauen wollte, müsse er überwiegend eigene Futtergrundlage haben, von hofnahen Flächen. Dies wurde geändert in die „Bodengebundenheit der Fläche“, sie kann also auch in Südamerika oder sonst wo sein. Eins hat das Volksbegehren aber geschafft: Eine große öffentliche Debatte auszulösen. Das zeigt auch auf, dass wir unsere Lebensweise überdenken und ändern müssen.

Ludwig Maier

Soyen

Es ist alarmierendm was gerade passiert. Lebewesen werden ihres Lebensraums beraubt. Das Ökosystem gerät aus dem Gleichgewicht und wir sehen nicht, dass wir selbst, als Teil davon, in Gefahr geraten. Jeder ist aufgerufen etwas dagegen zu tun. Das sind wir unseren Kindern schuldig. Dass in den Städten bereits eine größere Artenvielfalt herrscht als auf dem Land, ist bekannt. Der Anbau der Feldfrüchte für den menschlichen Verzehr ist zugunsten der Monokulturen zurückgegangen. Eine ertragreiche Alternative, die mit weniger Arbeit verbunden ist. Durch Klima und Überdüngung können manche Felder sogar zweimal im Jahr mit Mais bestückt werden, was den Boden auslaugt. Mais ist ideal zur Gewinnung von Biogas. Pestizide können da großzügig ausgebracht werden, da das Produkt nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt ist. Die Pestizide sind aber nachweislich am Insekten- und Amphibiensterben beteiligt. Und sie sind auch für uns Menschen durch Aufnahme über die Luft gefährlich. Als Xenoöstrogene greifen sie in denHormonhaushalt von Mensch und Tier ein, was etwa zu hormonabhängigen Tumoren führen kann. Düngemittel wirken darüber hinaus potenzierend auf diesen Prozess. Der ökologische Landbau, wie im Volksbegehren gefordert, verzichtet weitgehend auf Pestizide. Die Anbauflächen sind kleiner und vielfältiger. Der Ertrag ist geringer, aber der Wert des Lebensmittels unschätzbar. Weniger ist einfach mehr. Die Nachfrage nach wertigen und gesunden Produkten wird größer.

Dr. Carmen Gallitzendorfer

Hohenthann

Meines Erachtens ist das Artensterben die logische Konsequenz aus dem egoistischen Verhalten unserer gewinn- und konsumorientierten Leistungsgesellschaft. In Deutschland haben über 60 Prozent aller Arbeitnehmer weniger als 3500 Euro brutto und 50 Prozent der Rentner weniger als 800 Euro zur Verfügung. Diese vielen Menschen können die Nachfrage nach Bioprodukten nicht steigern, weil sie schlichtweg das Geld nicht dafür haben. Mit einer leistungsgerechten, angemessenen Bezahlung hätten auch diese Arbeitnehmer die Möglichkeit, sich ökologischer zu versorgen. Ähnlich ist es bei den Landwirten, die zwar immer höheren Anforderungen in Bezug auf Richtlinien, Hygiene und Qualität gerecht werden müssen, von ihren Abnehmern aber immer weniger Geld dafür bekommen. Also müssen die Bauern rationeller arbeiten, um noch irgendwie Gewinn zu erwirtschaften. Sie können weder für bessere Bedingungen streiken, noch ihre Produktion ins Ausland verlagern oder Mitarbeiter ausstellen. Was tun deutsche Konzerne im Ausland für die dortige Umwelt? Wird nicht deswegen dort produziert, weil es etwa weniger Auflagen gibt und dadurch weniger Kosten entstehen? Das Artensterben ist ein globales Problem, entstanden durch die Globalisierung. Wir Menschen sind wie ein Krebsgeschwür auf unserem Planeten. Krebs bringt seinen eigenen Wirt um.

Sabine Urgibl

Haag

Die Bauern wollen keine Artenvielfalt und lehnten das Volksbegehren ab. Warum? Sie jammern lautstark weiter und sehen den Wert ihrer Landwirtschaft schwinden, was bei unbeschreiblichem Tierleiden, dem schrankenlosen Einsatz von Giftstoffen und der Vielzahl von Lebensmittelskandalen nicht weiter verwundert, sondern die generelle Frage aufwirft, ob da überhaupt noch ein Wert vorhanden sein kann. Verschwörungstheorien bringen hier gar nichts. Sein Tun zu ändern schon.

Christian Blas

Traunstein

Das Volksbegehren bringt auch die Kritiker auf den Plan. Vorneweg fährt der Bayerische Bauernverband (BBV) vermeintlich schwere argumentative Geschütze auf. Zwar wollen alle unsere Umwelt schützen und verbessern, aber das Volksbegehren, hieß es, sei der falsche Weg. Welche Probleme sehen die Landwirte, die sich laut BBV um das Wohl unserer Natur kümmern? Eingriffe in das Eigentum, Wegfall von Subventionsgrundlagen, fehlende Bio-Nachfrage – das sind die Argumente des BBV. Der Staat wird den Landwirten attraktive Angebote machen müssen, um die Ziele des Naturschutzgesetzes zu erreichen. Es entsteht eine neue Subventionsgrundlage, die jenen Landwirten zugutekommen kann, die sich nicht ausschließlich von den Gesetzen der „freien Marktwirtschaft“ vereinnahmen lassen. Die angeblich fehlende Nachfrage nach Bioprodukten basiert auf einer falschen Grundannahme. Eine Hochrechnung der Absatzzahlen der letzten Jahre rechtfertigt jetzt schon die für 2030 geforderten Öko-Landwirtschaftsflächen, ohne dass mögliche politische Maßnahmen, wie zum Beispiel die Förderung von Bio-Essen in Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern, ergriffen wurden. Es ist absurd: In unserer Gesellschaft akzeptieren wir unbesehen, dass die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen, als Basis unserer Ernährung, der Natur nachhaltig schadet. Wir haben keine Zeit mehr, um uns darüber zu streiten, ob nun zuerst jeder Privatgarten auf eine naturnahe Gestaltung achten muss, ob die DB oder die Landwirte der größte Pestizideinbringer sind oder ob die Massentierhaltung und die Nitratbelastung des Grundwassers nur im Norden und Osten ein Problem sind. Wir werden jede Stellschraube anziehen müssen, um zu retten, was zu retten ist.

Anna Maria Kirsch

Bad Aibling

Als Landwirt stelle ich mir manchmal die Frage, wie lange sich die Bauern noch gefallen lassen, dass sie ständig an den Pranger gestellt werden als Verantwortliche für Artensterben, Gewässerverunreinigung, Luftverschmutzung usw. Jeder Verbraucher muss durch sein Verhalten bei Mobilität, Ernährung, Ressourcenverbrauch sowie bei der Schaffung von Blühflächen seinen Beitrag leisten. Auch damit retten wir die Bienen, und das wollen wir alle. Ich frage mich, wie lange wir noch unseren potenziellen Hofnachfolgern vermitteln können, dass Landwirtschaft ein erstrebenswerter Beruf ist. Die Motivation für unseren Beruf sowie unsere Leidensfähigkeit im Visier von Verbrauchern und Umweltverbänden sind nicht grenzenlos. Diese Tatsache fördert das Höfesterben und gefährdet damit die kleinstrukturierte von der Gesellschaft gewünschte Landwirtschaft. Dann werden nur einige Großbetriebe übrig bleiben – vielleicht sogar in der Hand von Lebensmittelkonzernen.

Alois Koller

Bad Aibling

Ich möchte auf die in Deutschland zu hohe Nitratbelastung im Grundwasser verweisen, die von der Landwirtschaft verursacht wird und deren Kosten von der Allgemeinheit getragen werden müssen. Ich habe vollstes Verständnis für die bäuerlichen Betriebe, nur an der landwirtschaftlichen Misere ist kein Volksbegehren schuld, sondern das Verhalten der Gesellschaft (Verbraucher, Groß- und Einzelhandel, Molkereien etc.) und eine völlig verfehlte Agrar- und Subventionspolitik. Es ist an der Zeit, dass hier etwas geändert wird. Die Frage ist, ob der neue grüne Mantel der CSU dafür groß genug ist. Ich würde mir wünschen, dass viele Bürger unterschrieben haben, aber dann bitte auch ihre Mähroboter, Laubbläser und -sauger wegwerfen und aufhören, ihren Garten im Sinne von Meister Proper zu pflegen. Und dass die Politik endlich aufhört Subventionen vor allem an Großbetriebe im Gießkannenverfahren zu verteilen – und den Flächenfraß begrenzt. Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Dr. Karoline Meurer

Bruckmühl

Wie alle Volksbegehren, war und ist auch dieses, insbesondere bei den Landwirten, umstritten – die großflächig Glyphosat und andere gifthaltige Mittel gegen Unkraut verspritzen. Es wäre aber unfair, hier nur die Landwirtschaft anzuprangern. Es darf nicht übersehen werden, dass die Ausweitung der Bio-Betriebe wegen schleppendem Absatz nur langsam vorangeht. Es ist nötig, dass sich das Kaufverhalten der Bürger zugunsten der Bio-Betriebe ändert. Hierzu müssen wir bereit sein, mehr zu bezahlen. Denn was billig ist, wird nicht geschätzt. Dies sieht man an den 18 Millionen Tonnen Lebensmittel, die pro Jahr in Deutschland im Müll landen und die unter Einsatz von Spritzmittel und Energie zulasten der Umwelt produziert werden. Zum Übel tragen auch die bienenfeindlichen kurzen Rasenflächen der Privatgärten bei. Umweltfeindlich ist zudem das Baugesetz, das es nicht schafft, bei großflächigen Hallenbauten ein Bauvorhaben erst zu genehmigen, wenn dessen Parkplätze im Untergeschoss eingebracht werden und somit Grünflächen erhalten bleiben. Aus diesen Gründen finde ich es nicht richtig, im Fall des Bienensterbens nur die Landwirtschaft verantwortlich zu machen.

Josef Fenninger senior

Weibhausen

Die Initiative zum Volksbegehren „Rettet die Bienen“ war sehr wichtig. Immer wieder müssen alle aufmerksam gemacht werden, was mit unserer Natur passiert. Es kann aber nicht sein, dass ein Verursacher für das Sterben der Bienen ausgemacht wird. Wenn ich mich in meiner Umgebung umsehe, ist in den wenigsten Gärten ein ausreichendes Areal naturnah bepflanzt, um Insekten Nahrung anzubieten. Ein Insektenhotel alleine hilft nichts, es muss auch Nahrung vorhanden sein. Überall Rasenflächen, kurz geschoren, oder gezüchtete Blumen, die als Nahrung ungeeignet sind. Das sieht schön aus, ist aber tödlich für unsere Insekten und damit für den ganzen Kreislauf der Natur. Jeder Gartenbesitzer kann dazu beitragen, den Bienen Lebensraum zu bieten!

Claudia Eberhardt

Oberaudorf

Bauernvertreter verweisen darauf, dass sie bereits jetzt freiwillig viele Leistungen erbringen, wie sie das Volksbegehren forderte. Das ist lobenswert. Aber wenn ich mich freiwillig verantwortungsbewusst verhalte, warum stört es mich dann, wenn per Gesetz von anderen das gleiche Verhalten gefordert wird? Wenn ich zum Beispiel ein Tempolimit für sinnvoll halte und nur 130 km/h auf der Autobahn fahre, dann setze ich mich doch nicht für verantwortungslose Raser ein. Es stimmt einfach nicht, dass der Staat freiwillige Leistungen nicht mehr fördern kann, wenn sie gesetzlich vorgeschrieben sind. Beispiel CrossComplience: Einhaltung gesetzlicher Vorschriften macht Förderung nicht unmöglich, sondern ist Voraussetzung, Fördergelder zu erhalten. Nein, nicht die Bauern waren Zielscheibe des Volksbegehrens, sondern ein katastrophales System, das die Fördergelder nach dem Prinzip verteilt: Wer viel hat, dem wird viel gegeben, wer wenig hat, wird in den Ruin getrieben. Gefördert wird vor allem eine Natur zerstörende industrielle Landwirtschaft, die kleinen Bauern bleiben auf der Strecke. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hat ein plausibles Modell für eine soziale und ökologisch nachhaltige Reform der europäischen Agrarpolitik vorgelegt. Warum unterstützt der Bauernverband das nicht?

Wilfried Rahe

Mühldorf

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