Debatte über Klimaziele und Tempolimit

von Redaktion

Zu den Berichten über die Debatte über die Stickoxid-Grenzwerte und den Artikel „Experten schlagen Tempolimit vor“ (Politikteil) sowie zu Leserbriefen:

Die Debatte über die Stickoxid-Grenzwerte ist nur ein Ablenkungsmanöver und chaotisiert die ohnehin unübersichtliche Lage bei den Fahrverboten. In der Forschung gibt es einen breiten Konsens, dass Stickoxide auch schon im geringen Ausmaß schädlich sind und der Grenzwert eigentlich verschärft werden sollte. Der Verband der Lungenärzte hält, im Gegensatz zu den vom Verkehrsminister gehypten 112 Ärzten, die Grenzwerte für absolut geboten – zum Schutz der Gesundheit. In der Schweiz gibt es längst einen schärferen Grenzwert für Stickoxide. Grenzwerte sollen insbesondere Risikogruppen wie Kranke, Kinder und Schwangere schützen. Es muss ein ausreichender Abstand zu möglichen Gefährdungen gegeben sein. Und es müssen auch gesundheitliche Gefahren bei einer lebenslangen Belastung vermieden werden. Damit gehen Grenzwerte weit über die banale Betrachtung von Dosis-Wirkungsbeziehung hinaus. Das Vorsorgeprinzip muss oberste Priorität haben!

Sepp Genghammer

Bernau

Ja ist dieser Herr Köhler mit seiner Behauptung noch zu retten? Ich denke nicht. Seine Argumentation ist schon sehr fragwürdig. Die Luftverschmutzung durch Verbrennungsmotoren, insbesondere durch Dieselmotoren mit Zigarettenrauchen zu untermauern, grenzt schon an totaler Ignoranz gegenüber den vielen Leidtragenden. Wenn die Abgase nicht so schädlich sind wie Herr Köhler behauptet, wieso nehmen sich Leute mit Abgasen das Leben? Fährt Herr Köhler vielleicht ein großvolumiges Auto mit viel PS und eventuell einen Diesel? Dann soll er doch bitte einmal das Auspuffende in Augenschein nehmen, dann würde er sehen, wie schwarz es dort aussieht. Die Messstellen weiter weg von der Straße, das ist auch eine Form der Verniedlichung. Personen, die auf den Bürgersteigen unterwegs sind, befinden sich doch näher an der Straße, gar nicht zu reden von den Kindern, da sie kleiner sind und deshalb auch mehr von dem Dreck abbekommen. Als in Bruckmühl die neue Mangfallbrücke gebaut wurde und der Verkehr wegen der Umleitung viele Monate zwischen Bruckmühl Süd und Nord durch die Wernher-Braun-Straße geleitet wurde, haben wir wesentlich mehr Ruß und Feinstaub abbekommen und das ist keine leere Behauptung. Das Wasser von der wöchentlichen Balkonreinigung wurde während der Zeit der Umleitung wesentlich dunkler, eher schwarz, als vorher oder danach und der Balkon ist etwa 30 Meter von der Straße entfernt. Auch die vielen Anwohner, die notgedrungen näher als 25 Meter von der Straße wohnen, werden an der Behauptung von Herrn Köhler die reinste Freude haben. Ich frage mich, wann spricht der Herr Gesundheitsminister Spahn mal ein Machtwort zugunsten der Leidtragenden. Der Artikel ist sehr einseitig und wird nicht meine Meinung über den Journalismus in Deutschland ändern.

Erich Kroier

Bruckmühl

Es ist mir sehr peinlich, dass mein Land Deutschland seine Klimaziele 2020 voraussichtlich weit verfehlen wird, besonders da die Kohlenstoffdioxid-Emissionen im Verkehrssektor seit 1990 sogar noch angestiegen sind. Dabei würde ein Tempolimit von heute auf morgen wirken, und so lange dieses Mittel ohne Not nicht ausgeschöpft wird, kann Deutschland auch nicht auf internationaler Bühne behaupten, es hätte sein Möglichstes getan. Zwar klingen die nunmehr für 2020 prognostizierten etwa 32 Prozent Kohlenstoffdioxid-Reduktion gegenüber 1990 auch nach nicht wenig, stellen aber bei näherem Hinsehen keine allzu große Leistung dar, denn sie kamen zu einem Großteil durch die Schließung alter, ineffizienter DDR-Schwerindustrie-Unternehmen zustande. Auch das Argument, dass es die meisten Verkehrstoten ja nicht auf Autobahnen, sondern auf Landstraßen gebe, kann man so nicht stehen lassen, denn deren höhere Unfallquote liegt ja gewiss nicht an den Geschwindigkeitsbeschränkungen, sondern am dort direkt vorhandenen Gegenverkehr. Dass bei Tempolimit weniger Unfälle, ein geringerer nötiger Abstand zwischen den Fahrzeugen und weniger plötzliches Abbremsen in Folge zu engen Auffahrens zudem die Staugefahr enorm senken, dürfte inzwischen auch hinlänglich bekannt sein. Aber was für manche Amerikaner die plumpe „Freiheit, Waffen zu tragen“ ist, ist für manche Deutsche eben die plumpe „Freie Fahrt für freie Bürger“. Wie peinlich!

Ferdinand Hinke

Bernau

Da haben wir eine Debatte um die Gefährlichkeit der Stickoxide für unsere Gesundheit, und der Scheuer tut das leichthin ab, negiert völlig die nötige Ernsthaftigkeit und spricht von einer „masochistischen Debatte“ – gerade, als seien die Sorgen um unsere Gesundheit ein Zeichen für den Spaß am eigenen Schmerz. Da haben wir eine ernsthafte Debatte, ob ein Tempolimit auf der Autobahn (Deutschland ist wirklich das einzige Land auf der Welt ohne ein solches) eine sinnvolle Maßnahme sein könnte, um die Anzahl der Verkehrstoten zu verringern. Die Gewerkschaft der Polizei wäre zum Beispiel dafür. Scheuer aber hält schon Überlegungen dazu als „gegen jeden Menschenverstand“ gerichtet. Unfassbar!

Franz Garnreiter

Rosenheim

Sehr geehrter Herr Prem. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Ignoranz Leute gegen die Industrie, Verkehr und die Landwirtschaft wettern und für Verbote und Einschränkungen Volksbegehren und Demos organisieren. Die Industrie wird keine „PS-Monster-SUV’s“, die Landwirtschaft kein „Billigschnitzel“ produzieren wenn es nicht gekauft wird. Aber genau das tun wir, jeder Einzelne von uns. Wir drücken aufs Gas, wir kaufen bei Amazon ein und in unserem Garten ist der Rasen auf dem Millimeter getrimmt. Mit dem Flieger in den Urlaub, Erdbeeren im Winter aus China. Zur Gewissensberuhigung noch schnell ins Rathaus, um irgendein Volksbegehren zu unterschreiben, das einen mit seinen Auswirkungen nicht direkt betrifft – wie das für die Artenvielfalt oder den Flächenverbrauch. Ein Tempolimit betrifft uns aber alle und wird deshalb auch nicht kommen. Dabei würde es vermutlich weit mehr bringen als in Ihrem Kommentar berechnet. 130 erreichen Sie auch mit einem Kleinwagen mit geringem Kohlenstoffdioxid-Ausstoß. Ihrer Rechnung nach stehen 13 Minuten Zeitgewinn auf 1000 Kilometern weniger Unfalltoten, weniger Staus, weniger Umweltverschmutzung gegenüber. Obwohl ich gerne schnell fahre, hört sich das gut an – und unsere Nachbarn können es doch auch.

Michael Lechner

Tuntenhausen

Wenn ein Herr Naumann in seinem Leserbrief den Normalbürger und somit vielleicht 90 Prozent der Autofahrer als unfähig sieht ein Auto zu lenken und er meint, dass diese „Langsamfahrer“ nicht auf die Autobahn sollten, dann hat er vieles nicht verstanden, was ein Miteinander auf der Straße mit Verkehrsfluss zu tun hat. Das ist der Typ Autofahrer, den man als „Ich-Mensch“ bezeichnet, der ohne Blinker und ohne Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer die Straßen unsicher macht. Drängler und Kolonnenspringer, die mit ihren schweren Autos und auffallendem Fahrverhalten den Verkehrsfluss beeinträchtigen. Und allein schon nur wegen dieser wenigen Rowdys sollte man ein Tempolimit einführen und Vergehen mit Führerscheinentzug und hohem Bußgeld bestrafen.

Josef Kirschner

Reichertsheim

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