Zum Bericht „Knobloch verlangt entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus“ (Politikteil):
Nicht nur zum Gedenktag der KZ-Befreiung wird ein wachsender Antisemitismus beklagt. Vielleicht liegt es auch daran, dass ein Schuldbewusstsein über den Holocaust auf Deutschland eingebrannt sein soll und positive Beispiele im Bestreben gegen die Judenvernichtung immer wieder vornehm zurückgehalten werden. Selbst der jüdische und christliche Theologe und Religionswissenschaftler Pinchas Lapide hat schon vor etwa 20 Jahre darauf hingewiesen, dass es nicht sinnvoll ist, junge Leute in Schulen vorwiegend mit Gasöfen und Dachau-Fahrten zu konfrontieren, ohne auch positive Helden in den Vordergrund zu rücken. Von Schindler oder Jägerstätter habe ich – wie wohl viele andere – nicht einmal in der Gymnasialzeit erfahren. Wir werden in Deutschland mit der Schuldfrage und mit Antisemitismus nicht weiterkommen, wenn man immer wieder äußerst liebevolle Zeichen setzt und jetzt mit Ludwig Spänle auch noch einen Antisemitismusbeauftragten einsetzt. Führt nicht gerade so eine philosemitische Sonderbehandlung nicht noch mehr zu Antisemitismus? Wäre da nicht ein religionsübergreifender Religionsunterricht sinnvoller, in dem junge Leute voneinander lernen und schädliche Vorurteile überwinden können? Zumindest sollte in jeder Altersstufe über ein Jahr hinweg ein interreligiöser Unterricht für alle verpflichtend sein, sodass wenigstens vermeintliche Gegensätze, die auf Missverständnissen und Gedankenlosigkeit beruhen, nicht weiter wuchern können. Wenn Charlotte Knobloch pauschal eine Partei im bayerischen Landtag als judenfeindlich abqualifiziert, erinnert mich das an Leute, die Juden über Jahrhunderte hinweg pauschal mit einer negativen Eigenschaft gebrandmarkt haben.
Simon Kirschner
Gaimersheim