Wir alle tragen zum Artenschwund bei

von Redaktion

Zur Berichterstattung über das Volksbegehren zur Erhaltung der Artenvielfalt (Bayern- und Regionalteil) und zu Leserbriefen:

Ein guter Tag für unsere Kinder und Enkelkinder! Es zeigt auch noch, dass sich fast 20 Prozent der Wahlberechtigten an den Fakten orientierte und sich auch von zahlreichen Falschmeldungen über das Volksbegehren nicht beirren ließen. Eine besonders unrühmliche Position nimmt der Bauernverband ein. Wenn sich jemand mit den Fakten auseinandersetzen sollte dann er! Die Bauern sind auf die funktionierende Flora und Fauna genauso angewiesen, wie die Verbraucher. Leider ist die Deutsche und EU-Landwirtschaftspolitik völlig an der Realität vorbei durchgesetzt worden. Die fast 50 Milliarden Euro Agrarsubventionen werden mit zum Teil katastrophalen langfristigen Folgen auf eine nachhaltige Landwirtschaft verteilt! Nun wird die Politik gezwungen sich mit den Realitäten auseinanderzusetzen, zum Wohle des Volkes und zukünftigen Generationen. Besonders traurig ist, dass die Wissenschaft seit mehr als zehn Jahren deutlich auf den überproportionalen Rückgang der Arten und Insekten hingewiesen hat, und die Politik keine Gegenmaßnahmen – die Wirken – eingeleitet hat. Es werden noch einige Volksbegehren folgen, die der Politik zeigen werden, dass wir einen Lebensraum für zukünftige Generationen erhalten müssen.

Bernhard Huber

Bruckmühl

Wie es aussieht, hat das von den links-grünen Gutmenschen initiierte Volksbegehren die erforderliche Zehnprozentmarke erreicht. Mit der vorgeschobenen Rettung der Bienen und Insekten verfolgen sie einen perfiden Plan. Sie wollen die sichere Nahrungsversorgung in Deutschland zerstören. Nach der Schwächung unserer Stromversorgung durch den Atomausstieg und jetzt auch Beendigung der Kohleverstromung, nach der Verteufelung der Autoindustrie, dem dauerhaften Angriff auf die Wehrtechnikindustrie soll jetzt die Landwirtschaft, die schon genug Probleme hat, noch mehr gegängelt und bevormundet werden. Egal, kaufen wir die Lebensmittel halt im Ausland – vielleicht in Frankreich, da beziehen wir eh schon günstig den Atomstrom. Oder doch aus Polen, wo wir demnächst den Kohlestrom her bekommen. „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“: Das hatten wir doch schon mal, aber die Völker wird es auch im 21. Jahrhundert nicht sonderlich interessieren, was die Deutschen wollen. Sie wundern sich vielleicht nur, wie sich dieses einst tolle Land selbst demontiert.

Fritz Händl

Riedering

Die Biene steht in unserer Kultur für alles Positive. Ein perfektes, aber falsches Symbol und Marketinginstrument für das erfolgreich beendete „Volksbegehren Artenvielfalt-Rettet die Bienen“. Denn die Biene stirbt nicht aus. Laut einer Artenstudie der UNO hat sich die Bienenpopulation seit den 1960-er Jahren aufgrund des weltweit steigenden Honigkonsums nahezu verdoppelt. Die Wildbienen sind in dieser Statistik aus gutem Grund nicht erwähnt worden. Weil es zu Wildbienen keine Basisdaten gibt und demzufolge keine seriöse Aussage über die Größe dieser Population errechnet werden kann. Aber fundierte Sachkenntnisse und Vernunft ist den Machern des Volksbegehrens leider fern gewesen. Ihnen obliegt eine rein ideologische Anschauung. Der Anteil von 8,8 Prozent ökologischer Landwirtschaft in Bayern soll per Gesetz beziehungsweise Volksentscheid auf 30 Prozent steigen. Was auf den ersten Blick für den Verbraucher wunderbar erscheint, ist auf den zweiten Blick eine Zumutung für die Bauern. Der Absatz an ökologischen Produkten auf dem Markt ist nicht so hoch wie die Umstellungsbereitschaft von Bauern auf die ökologische Landwirtschaft. Die Molkereien nehmen zur Zeit keine Bio-Bauern mehr als Lieferanten an, um eine Überproduktion zu vermeiden. Ist die Warenmenge an Bio-Produkten auf dem Markt aber höher als die Nachfrage, fallen die Preise für die Erzeuger. Was bei einer gewünschten gesetzlichen Verdreifachung der ökologischen Landwirtschaft hoch sein wird. Die ökologische Landwirtschaft ist aber mit mehr Zeit und auch deswegen kostenintensiver zu betreiben als die konventionelle Landwirtschaft. Demzufolge muss der Bauer mehr arbeiten für weniger Geld, sollte das Gesetz so umgesetzt werden. Was aber wäre, wenn der Verbraucher verpflichtet wird 30 Prozent der Lebensmittel, die er einkauft, aus rein ökologischen Quellen zu beziehen? Dann wäre die Sachlage anders und das System würde wahrscheinlich funktionieren. Aber wollen wir solche eine Regelung für den Verbraucher? Wohl kaum, aber den Bauern bürdet man es in diesem Gesetzesentwurf zu.

Hubert Kirmaier

Edling

Es geht um mehr Lebensraum für Bienen und Schmetterlinge, um gesundes Essen durch Ökolandwirtschaft und um weniger Gifteinsatz. Der Ökoanbau soll stark steigen! Es soll verboten werden, Dauergrünland in Ackerflächen umzuwandeln, Feldgehölze und natürliche Totholzsammlungen zu zerstören und auf Dauergrünland Pflanzenschutzmittel einzusetzen! Agrarflächen sollen nur noch von innen nach außen gemäht werden, um verborgenen Tieren die Flucht zu ermöglichen! Bei der Bewirtschaftung sollen fünf Meter Abstand von Gewässern gehalten werden, um die Bildung von „Blühwiesen“ unterstützen, um die Insektenvielfalt zu fördern. Wir müssen unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Erde und saubere Umwelt hinterlassen!

Kerstin Preusche

Schnaittach

Es geht gar nicht um die Honigbiene. Dank rühriger Imker wird sie nicht aussterben. Allerdings sind von den über 550 Wildbienenarten Deutschlands über 60 Prozent bedroht. Diese und mit ihnen viele andere Insekten wie Schmetterlinge und Käfer sind auf bestimmte Lebensräume und Futterpflanzen spezialisiert. Leider sind auch etwa 30 Prozent unserer etwa 8650 heimischen Wildpflanzen gefährdet. Schuld hat nicht allein die Landwirtschaft. Wir alle tragen zum Artenschwund bei. Flächenversiegelung, verbaute Landschaften und Monokulturen sind das eine, unsere sterilen Gärten mit Schotterschüttungen und Gabionen das andere. Die derzeit überwiegend praktizierte Pflege unserer Gärten, öffentlicher Grünflächen und Landschaftsflächen behindert ebenfalls die Entwicklung der Insekten. Ein Blütenstreifen bietet im Vergleich zum Rasen eine höhere biologische Vielfalt. Es ist aber nicht damit gedient, den Insekten mit Wildblumen nur Nahrung zu bieten. Viele überwintern an oder in der Nähe ihrer Futterpflanzen an abgeblühten Trieben und Samenständen. Deshalb sollten die Blumenbeete und Blühstreifen im Herbst nicht restlos abgeräumt werden. Wir, kommunale Bauhöfe und Landschaftpflegeverbände sollten unsere Pflegekonzepte dahingehend überdenken.

Werner Kraus

Raubling

Die Aktion „Rettet die Artenvielfalt“ beziehungsweise „Rettet die Bienen“ als „politische Süppchenkocherei“ oder gar als „lächerlich“ zu bezeichnen, zeugt von einer Inkompetenz und Ignoranz sondersgleichen. Zumal, wenn sich der Leser- briefschreiber auch noch als Imker mit 35-jähriger Erfahrung brüstet. Richtig ist, dass uns die Varoamilbe viel Arbeit kostet, doch inzwischen, nach 40-jähriger Imkererfahrung, traue ich mich zu sagen, dass wir den Umgang mit dieser Milbe gelernt haben und sie effektiv bekämpfen können. Was wir jedoch nicht können, ist, der Biene zu sagen, wo sie ihren Nektar holen soll. Hier kommt unsere moderne Landwirtschaft ins Spiel. Der Aufruf fordert die konventionelle Landwirtschaft auf, weniger Gift zu verwenden und mehr Natur zuzulassen. Die Bereitschaft der Bauern ist durchaus gegeben, aber der Druck der Agrarriesen ist gewaltig. Sie bestimmen und treiben Landwirte in eine Abhängigkeit, aus der sie schlecht aussteigen können. Dieses Volksbegehren soll Druck auf diese Großkonzerne ausüben und den Bauern helfen, selbstbestimmender zu werden, ohne ihre Existenz zu gefährden. Inzwischen haben aber selbst Großkonzerne wie Bayer erkannt: „Die Landwirtschaft arbeitet nicht ressourcenschonend genug.“ Der Aufruf betrifft jedoch nicht nur die Landwirtschaft. Jeder Einzelne soll sich fragen, ob sein persönliches Verhalten im Umgang mit Umweltgiften verantwortbar ist. Es geht nicht nur um Bienen. Dies ist nur der plakative Aufhänger, sondern es geht um das große Ganze, eigentlich um uns persönlich.

Barbara Manz

Aschau/Inn

Erstens: Die Natur befindet sich global in einem desaströsen Zustand und zusätzliche Anstrengungen sind nötig, denn das Artensterben auf unserem Planeten setzt sich weiter fort. Drei Viertel des globalen Insektenbestandes sind in den letzten 30 Jahren verschwunden oder unwiederbringlich ausgestorben. Schuld ist der Mensch, und hat schlimme Folgen für die Erdbewohner. Der massive Eingriff des Menschen hat das funktionierende Gleichgewicht in der Welt der Insekten jedoch in eine gefährliche Schieflage gebracht. Lichtverschmutzung, Flächenversiegelung und industrialisierte Landwirtschaft. Durch Pestizide verlieren Bienen die Orientierung. Auch Glyphosat hat Einfluss auf die Herzfrequenz der kleinen Brummer. Es müssen wieder Lebensräume (Blühflächen) geschaffen werden. Wir könnten es noch aufhalten dieses Massensterben – wenn der Mensch endlich anfängt, gegenzusteuern. Die Zeit wird knapp: Denn wenn die Bienen sterben, sterben die Menschen.

Ingrid Ehlers

Aschau im Chiemgau

Leider glauben viele (nicht alle!), allein durch ihre Unterschrift schon Großes für die Umwelt geleistet zu haben. Doch wir sind alle aufgerufen, unseren Beitrag dazu zu leisten. Was gibt es schöneres, als prächtigen Blumenschmuck auf den Balkonen, auch in den Städten? Brauchen wir für Grünflächen in der Größe von einigen Badetüchern schon Mährobotter, die alles kurz und klein hacken? Müssen wir pro Jahr zwei- bis dreimal in den Urlaub fliegen, nur um den Bekanntenkreis zu imponieren? Müssen wir unseren SUV selbst für kleinste Besorgungen aus der Garage holen? Das alles sind Kleinigkeiten, die aber in der Summe etwas Gutes bewirken können.

Hans Stummer

Gars

Das Volksbegehren erhebt keinen geringeren Anspruch, als endlich – in tatsächlich letzter Minute – ein Umdenken bei unserem Umgang mit der Artenvielfalt, mit den Insekten, mit der Herstellung unserer Nahrungsmittel und mit unserer Art der Behandlung von Natur und Umwelt herbeizuführen. Regionale, nationale und internationale Studien und Berichte von hochrangigen Wissenschaftlern/Forschern aus jüngster Vergangenheit sollten uns alle nachdenklich machen und uns zu verstehen geben, dass es ein „Weiter so“ nicht geben kann. Wenn jetzt Pro- und Contra-Diskussionsteilnehmer bemüht sind, bei ihren Aussagen zum einen den Wahrheitsgehalt ihrer Beiträge vor dem Aussprechen oder der Veröffentlichung nochmals auf die Goldwaage zu legen und sich dann auch noch weniger verletzenden, beleidigenden oder sichtlich unwahren Äußerungen zu enthalten, wäre dem Demokratieverständnis und der Sache ein großartiger Dienst erwiesen. Dazu noch die Vorbildfunktion im Umgang miteinander für unsere jüngere Generation. Und ein von Sachverstand geprägtes Verständnis dafür, wie unsere Zukunft aussehen sollte und welchen Beitrag wir dafür zu erbringen haben. Das würde ich mir für uns und die folgenden Generationen – unsere Kinder und Enkelkinder – wünschen.

Karl-Michael Guensche

Haag

Wer die Reaktionen unserer Bauern in den Leserbriefen zum Thema Volksbegehren verfolgt, kann einiges feststellen: Die Kritik der Bauern richtet sich weniger gegen die Anforderungen des Volksbegehrens, vieles ist alles andere als dramatisch. Da wird gefordert, einen Teil des Grünlandes erst ab dem 15. Juni zu mähen. Dies ist keine neue Erfindung, diese Regelung gab es schon längst im bayerischen Kulap-Programm und wurde von den Bauern sehr gut angenommen. Da steht etwas von Umbruchverbot bei Wiesen und Rodungsverbot bei Feldgehölzen. Diese Verbote sind längst Realität. Dass die Zahl der Biobetriebe nicht der Gesetzgeber, sondern allein der Verbraucher festlegt, haben inzwischen schon die allermeisten begriffen. Unsere Bauern werden immer so viel Bio erzeugen, wie der Verbraucher kauft. Nein, nicht die Forderungen des Volksbegehrens sind es, die für Aufregung sorgen; es ist die Grundaussage des Volksbegehrens: „Ihr Bauern alleine seid Schuld an den ganzen Problemen.“ Genau dieses hat dazu geführt, dass viele Bauern verärgert, ja sogar wütend sind. Da wird die Stimmung noch angeheizt, wenn sich Prominente, die ja bekannt sind für ihren aufwendigen Lebensstil, die oft mal schnell nach Paris fliegen, um ein neues Kleid zu kaufen, wenn sich diese in den Medien präsentieren: Ich tu was für den Umweltschutz, ich habe mein Kreuzchen gemacht. Dieser grobe handwerkliche Fehler hat dazu geführt, dass ein Riesenkeil zwischen Bauern und Städtern getrieben wurde. Die ÖDP und andere Initiatoren des Volksbegehrens wäre gut beraten, wenn sie sich bei den Bauern für diesen Fehler entschuldigen würden.

Sepp Strasser

Niederbergkirchen

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