Zum Interview mit Ulrich Rasche über seine „Elektra“ fürs Residenztheater (Kulturteil):
Im Interview mit dem Regisseur Ulrich Rasche zu Neuinszenierung von „Elektra“ von Hugo von Hofmannsthal im Münchner Residenztheater sagte dieser: „Elektra muss sich fragen: Bleibe ich bei meiner Außenseiterposition bei meinem Widerstand oder passe ich mich der Mehrheit an?“ Im Gegensatz zu ihr sind wir doch alle geneigt, uns von Bequemlichkeit und materiellen Vorteilen leiten zu lassen. Also wegzuhören, wegzuschauen und nicht zu wissen, wenn Unrecht geschieht – wie die drei Affen: Nichts sehen, nichts hören, nichts wissen! Die Kräfte, die einen nach Idealen ausgerichteten und noch kämpferischen Menschen überstimmen wollen, nehmen in unserer Gesellschaft besorgniserregend zu: Der Konformitätsdruck steigt. Das politische und gesellschaftliche System arbeitet subtil, indem die Mehrheit ruhig gehalten wird und mit Vorteilen „angefüttert“ wird, während man den „Abweichler“ attackiert. Angesichts dieses Drucks gehen die meisten „Non-Konformisten“ an ihren eigenen Zweifeln zugrunde und schlagen sich auf die Seite derer, die sich „eingerichtet“ haben. Alles andere ist ja auch sehr anstrengend. Genau! Als wir jung waren und voller Ideale, hätten wir uns nie vorstellen können, dass wir einmal so werden, wie wir jetzt sind – und je deutlicher man die „Endlichkeit“ des Lebens sieht, umso schwächer werden die Kräfte und umso größer verständlicherweise die Bequemlichkeit – aber: Angesichts der heutigen Situation scheint mir dringend mehr Ernsthaftigkeit nötig. Wie recht er hat: Es stehen viele Zeichen auf eine Korrektur unserer eingefahrenen unverantwortlichen Strukturen in vielen Bereichen unseres Lebens.
Marianne Roider
Rosenheim