Zur Berichterstattung über das Volksbegehren zur Erhaltung der Artenvielfalt (Bayern- und Regionalteil) sowie zu Leserbriefen:
Ich habe für das Volksbegehren unterschrieben – nicht, weil ich alle Forderungen der Initiatoren gutheiße, sondern weil ich hoffe, dass jetzt am runden Tisch eine gute Kompromisslösung gefunden wird. Was mir überhaupt nicht gefällt, ist die Zwei-Klassen-Landwirtschaft, die durch das Begehren gefördert und festgeschrieben werden soll. Meines Erachtens müssen aus Gründen der Nachhaltigkeit hundert Prozent unserer Landwirtschaftsflächen nach ausgewogenen ökologischen Kriterien bewirtschaftet werden – ohne Überdüngung, Grundwassergefährdung, mit zurückhaltendem Pestizid- und Kunstdüngereinsatz. Und für die Tierhaltung müssen dem Tierwohl in vernünftiger, nicht übertriebener Weise Rechnung tragende Standards allgemein verpflichtend werden. Dass unsere Nahrungsmittel dann teurer werden, ist unausweichlich – aber Preise wie im Biomarkt, die meist das Zwei- bis Dreifache betragen und nur für wenige elitäre Verbraucher infrage kommen, wird es – und darf es – trotzdem nicht geben. Im Übrigen kann durch die aus Klimaschutzgründen ohnehin dringend erforderliche Verringerung des Fleischkonsums die Erhöhung der Ausgaben für Nahrungsmittel sicherlich weitgehend aufgefangen werden. Natürlich darf eine neue, nachhaltige Landwirtschaftspolitik nicht auf Kosten unserer bäuerlichen Familienbetriebe gehen: Wer ökologisch vernünftig wirtschaftet, muss, auch als kleiner oder mittlerer Hof, ein ausreichendes Einkommen erzielen können – notfalls mit staatlicher Unterstützung! Dabei müssen die Agrarsubventionen für die unerwünschte Massentierhaltung und die industrielle Landwirtschaft auf den Prüfstand.
Lothar Schultz-Pernice
Rosenheim
Man unterschreibt das Volksbegehren und man hat sich eingekauft für die Natur, vergleichbar mit den Ablässen im Mittelalter. Sache ist, dass nicht die Bienen, sondern dass in den letzten 30 Jahren die Imker immer weniger geworden sind. Eine Überalterung hat zu dem Schwund der Imker und dadurch der Bienen geführt. Der einseitige Generalverdacht, die Landwirtschaft sei an allem schuld, ist bewusst fehlinterpretiert worden. Die Kreisvorsitzende des Rosenheimer Imkerverbandes wörtlich: „Den Bienen ist es noch nie so gut gegangen wie jetzt, die Imker lassen sich nicht gegen die Bauern missbrauchen“. Die UNO gab bekannt, dass sich seit 1960 weltweit die Bienenzahl wegen der wachsenden Honignachfrage verdoppelt hat. Die Forderung nach 30 Prozent Biolandwirtschaft ist Populismus, wenn man weiß, dass zum Beispiel die Biomolkerei in Piding hundert Bauern auf der Warteliste hat, sie können sie nicht nehmen, weil es der Markt nicht hergibt. Es ist ein unredliches Spiel, Liberalisierung der Weltmärkte zu betreiben (Importwirtschaft), die Bauern aber den strengsten Produktionsbedingungen zu unterwerfen und dann billig in Supermärkten einzukaufen. Keine Landwirtschaft kann das durchhalten. Es macht betroffen, wenn man die Wertschätzung des Bauernstandes so herabwürdigt. Die Folge ist, dass sich die Jungbauern innerlich von der Landwirtschaft verabschieden. Wir können nicht wie die Industrie im Ausland mit Billig-Rahmenbedingungen produzieren.
Sepp Ranner
Mitterham
Hans Röhrmoser
Oberwertach
Martin Weber
Feldkirchen