Zum Leserbrief von Henning Kriebel „Eine Sprache, die nur abstößt“:
Herr Harbeck sprach von seiner „Dämlichkeit“. Der Duden versteht unter Dämlichkeit: „Dummes, ungeschicktes Benehmen/Verhalten“ beziehungsweise „dumme, alberne Handlung“. Das Wort „Dummheit“ kommt dann bei Herrn Anastasiadis einmal in dem Kommentar vor: „Oder beschränkt sich die Dummheit nur darauf, das auch noch öffentlich zugegeben zu haben?“ Das heißt doch nicht, dass der Politiker dumm ist, sondern heißt: Ihm ist eine Dummheit unterlaufen – also genau das, was Herr Harbeck selbstkritisch von sich sagte.
Zustimmen kann ich zu hundert Prozent, dass wir wieder eine konstruktive Auseinandersetzung im politischen Bereich brauchen. Nur: Funktioniert das, wenn sich jeder nur noch schön auszudrücken hat? Der kritisierende Herr Kriebel schafft es in seinem Leserbrief ja auch nicht: „Politikern Dummheit zu unterstellen, ist das Dümmste, was man schreiben sollte.“ Sprich: Herr Anastasiadis habe das „Dümmste“ geschrieben. Das zeigt doch deutlich: Man kann eben nicht immer nett sein, wenn man etwas bewegen will. Eine wichtige Ursache für aggressive Auseinandersetzungen in politischen Diskussionen liegt woanders. Das zeigt der neue ARD-Leitfaden. Vom Grundprinzip wird hier empfohlen, was wir nun seit Jahren aus Berlin erleben. Dieses Prinzip lautet: Wehre Dich gegen Kritik, indem Du auf die moralische Ebene gehst. Dazu wird eine Maßnahme als alternativlos oder humanitär oder respektvoll oder als Rettung der Zukunftsfähigkeit Deutschlands… bezeichnet. So wird vor Kritik abgeschirmt: Wer doch kritisiert, wird als Unverbesserlicher, Rechtsradikaler, mieser Kapitalist, Egoist… genagelt. Das ist das Gift, das nun seit Jahren aus Berlin in die politische Diskussion geschüttet wird.
Jürgen Böhm
Kolbermoor