Willkommene Steilvorlage für Kritiker

von Redaktion

Zum Artikel „Schröder attestiert Nahles Amateurfehler“ (Politikteil):

Dass die derzeitigen miserablen Umfragewerte für die SPD vorwiegend auf die flapsigen Nahles-Ausdrücke wie „Bätschi“ zurückzuführen sein sollen, darf mit Recht angezweifelt werden. Die zunächst favorisierte Oppositionsarbeit mit „dann gibt’s was in die Fresse“ anzukündigen, entspricht offensichtlich nicht dem bevorzugten rhetorischen Feinschliff der Nadelstreifenklasse, zu der Exkanzler Gerhard Schröder bekannterweise seit dem Ende seiner Juso-Zeit zählt. Andrea Nahles hat allerdings in der Affäre um den ehemaligen BfV-Chef Hans-Georg Maaßen eine schlechte Figur abgegeben. Die erkennbare Konzeptionslosigkeit der Partei- und Fraktionsvorsitzen der SPD war und ist angesichts der vielen innen- und außenpolitischen Pro-bleme für die anderen Parteien, aber auch für ihre parteiinternen Kritiker, eine willkommene Steilvorlage. Allerdings wird dadurch vor allem die Frage, warum man ausgerechnet die SPD wählen soll, zum Wahlvolk transportiert! Es ist ganz bestimmt nicht der vom derzeitigen Juso-Chef Kevin Kühnert bevorzugte Kapuzenpulli, der nach Meinung von Schröder der Sozialdemokratie ein negatives Image und somit schwache Wahlergebnisse beschert. Kühnert hat die innerparteiliche Meinungsführerschaft bei den Ablehnern der derzeitigen Großen Koalition übernommen. Er ist es vor allem, der gegen die von Ex-Bundeskanzler Schröder durchgesetzte Sozialgesetz-Reform (Hartz IV) von 2005 argumentiert und polemisiert. Ein Aspekt sollte bei der Beurteilung der politischen Arbeit von Nahles nicht unerwähnt bleiben: In der nervenaufreibenden Situation nach der Bundestagswahl im Jahr 2017, hat Andrea Nahles weit mehr Verantwortungsbewusstsein für das Land gezeigt, als viele ihrer politischen Gegner.

Oskar Wrage

Prutting

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