Volksbegehren: Diskussion hält an

von Redaktion

Zur Berichterstattung über das Volksbegehren zur Erhaltung der Artenvielfalt (Bayern- und Regionalteil) sowie zu Leserbriefen:

Immer wieder heißt es, die Unterstützer des Volksbegehrens wären gegen die Bauern. Das ist eine Erfindung des Bayerischen Bauernverbandes. Das Volksbegehren kämpft dafür, das Artensterben zu stoppen und dafür die gesetzlichen Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft zu verbessern. Es ist nicht zu leugnen, dass die konventionelle Landwirtschaft eine Menge Umweltprobleme verursacht. Das Begehren greift nicht die Landwirte an, sie sind Opfer des Systems, das einseitig auf maximale Erträge setzt. Der Bauernverband unterstützt dieses System, statt mit den Umweltverbänden auf eine Agrarwende zu setzen, und schadet damit den Landwirten.

Am Rückgang der Arten sind viele Ursachen schuld, zum Beispiel der Klimawandel, der Verkehr, der Flächenverbrauch – nicht nur die Landwirtschaft. Aber der Artenrückgang ist in der offenen Landschaft am dramatischsten. Das liegt an der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung. Außerdem bewirtschaften Landwirte fast die Hälfte der Fläche Bayerns. Darum lässt sich, wenn man bei der Landwirtschaft ansetzt, am schnellsten viel ändern. Das Volksbegehren führt angeblich dazu, dass viele Kleinbetriebe aufhören müssen. Das Gegenteil ist der Fall. Für viele kleine landwirtschaftliche und Nebenerwerbsbetriebe stellen das Vertragsnaturschutzprogramm und das Kulturlandschaftsprogramm wichtige Einnahmequellen dar. Diese Programme müssen durch das Volksbegehren ausgebaut und mit mehr Finanzmitteln ausgestattet werden. Das Volksbegehren bietet eine Alternative zum „Wachsen oder Weichen“.

Martin Walter

Bad Aibling

Sehr viele Leute haben für die Rettung der Bienen unterschrieben. Das ist schön! Doch warum nimmt man den Bienen dann ihre erste Nahrung weg? Am Markt werden Palmkatzerl in Mengen verkauft oder man rupft sie bei einem Spaziergang ab. Muss das sein? Ostern werden dann bunte Eier drangehängt (was auch an anderen Zweigen interessant aussehen könnte), dann – nach kurzer Zeit – werden sie entsorgt. Aber man hat ja brav unterschrieben!

Renate Trobisch

Nußdorf

Der Freistaat plädiert für Eigenverantwortung und hat im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramms eine Reihe von Umweltmaßnahmen umgesetzt. Bayern hat den höchsten Biobauern-Anteil in Deutschland, es werden 320000 Hektar biologisch, 200000 Hektar in der extensiven Günlandnutzung, 35000 Hektar Streuobstwiesen und 20 000 Hektar Blühwiesen bewirtschaftet. Nachweislich nahmen seit 2008 die Bienenvölker wieder zu. Umbruchverbot sowie Schnittzeitpunkt 15. Juni sind gängige Praxis. Man muss bei einer gerechten Umweltabwägung den Ressourcenverbrauch für Wohlstand, Mobilität und Industrie in die Waagschale werfen. Täglich 28 Hektar Landverbrauch, Kohlenstoffdioxid-Ausstoß und Energieverbrauch muss man ebenfalls überdenken. Wo sind die Blühwiesen in unseren Hausgärten, kommunalen Einrichtungen, bei der Bahn und den kirchlichen Einrichtungen? Wir Bauern haben eine fundierte Ausbildung, drei Jahre Lehre, dreisemestrige Fachschule und die Meisterschule und müssen uns jetzt schon mit einer umfangreichen Bürokratie und einem Vorschriften-Wust beschäftigen. Eine nochmalige Verschärfung stellt eine Entmündigung und Teilenteignung dar. Die zunehmende Fremdbestimmung von Nichtfachleuten verjagt uns die Jungbauern. Wir wollen keine Gräben zwischen Städtern, Bauern und Imkern, wir wollen entsprechend den europäischen und internationalen Rahmenbedingungen die Verantwortung für die Nachhaltigkeit und hochwertige Nahrung übernehmen. Umwelt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und kann nicht nur auf dem Rücken der Landwirte verlagert werden.

Josef Huber

Kirchdorf

Peter Köpke senior

Vagen

Johannes Köpke junior

Vagen

Der Leserbrief von Johann Wittmann kann nicht unbeantwortet bleiben. Er hat in manchem recht, vieles ist Zynismus. Herr Wittmann schreibt unter anderem „liebe Weltretter, steigt von Eurem hohen moralischen Ross herunter“. Wenn ich sehen muss, dass eine Braut nach der kirchlichen Trauung vor der Kirchentüre mit viel Hilfe für das Hochzeitsfoto auf einen neuen, sehr hohen Fendt klettern muss, dann muss ich sagen, gar mancher Bauer sollte vom hohen Ross heruntersteigen. Ich habe schon vor 70 Jahren mit der Sense gemäht, da sprangen bei jedem Hieb mehr Heuschrecken weg, als wenn man jetzt über eine große Wiese geht. Es gab auch noch Rebhühner, Wachteln und Feldlerchen. Dort wurde auch noch nicht siebenmal im Jahr gemäht. Diese Bodenbrüter wurden wegkultiviert. Da muss man doch hoffen dürfen, dass sich irgendwann etwas ändert, ohne gleich als Weltverbesserer bezeichnet zu werden. Im Übrigen schlägt mein Herz immer noch für das Bauerntum, in dem ich selber in einer kleinen Landwirtschaft aufgewachsen bin.

Sebastian Mühlhuber

Rott am Inn

Unser Haus steht im schönen Lauterbach und hat auch eine Wiese: Der Rasen wird immer erst gemäht, wenn er ziemlich hoch ist und die Blumen sich entfalten können. Darum habe ich viele Bienen, die zum Teil auch von einem Bewohner unseres Dorfes sind und ich daher auch den leckeren Honig von ihm bekomme. Oft setzen sich Bienen sogar auf meine Hand und ich kann sie mir genau ansehen – jede Biene sieht anders aus. Einfach schön. Gestochen wurde ich noch nie. Ich habe auch Igel, inzwischen sind es drei, also eine kleine Familie. Ich habe Blaumeisen, Rotkehlchen und sogar einen Buntspecht. Alle werden von mir versorgt, vor allem im strengen Winter. Die Vögel bedanken sich täglich nachmittags mit viel Gezwitscher. Es ist wunderschön. Die Natur muss erhalten bleiben.

Ursula Meyer van den Bergh

Lauterbach

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